Neues FahrlG (Folge 1): Fahrlehrer-Ausbildung

Die Reform des Fahrlehrergesetzes hat der Fahrlehrer-Ausbildung eine neue Struktur verpasst. Sie dauert jetzt mindestens ein ganzes Jahr. Die Ausbildungsinhalte richten sich nach den steigenden Herausforderungen. Fahrschulen, die händeringend nach Nachwuchs suchen, eröffnen sich mittelfristig neue Möglichkeiten.

Die Beschleunigung ist ohne Beispiel. In den zurückliegenden Jahren veränderte sich das Berufsbild von Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern mit enormer Geschwindigkeit. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Fahrerassistenzsysteme, E-Learning und digitale Hilfsmittel wollen beherrscht werden. Die Fahrlehrer-Ausbildung legt die Grundlage. Sie wird länger. Viele behaupten, sie wird effektiver. Fast alle hoffen, sie wird attraktiver.

Herabgesetztes Mindestalter

Das Mindestalter für die Erteilung einer Fahrlehrerlaubnis wurde von 22 Jahren auf 21 Jahre herabgesetzt. Eine Erteilung ist selbst dann möglich, wenn der Bewerber eine Fahrerlaubnis auf Probe hat. Eine Anwärterbefugnis sollte entsprechend der bisherigen Verwaltungspraxis bereits vorher erteilt werden. Erst wenn die unbefristete Fahrlehrererlaubnis erteilt wird, muss der dreijährige Besitz der Fahrerlaubnis Klasse B vorliegen. Dabei wird auch die Zeit des begleiteten Fahrens berücksichtigt.

Veränderte Vorbildung

Um Fahrlehrer zu werden, reicht künftig eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Lehrberuf oder eine gleichwertige Vorbildung. Die Forderung nach einem  bestimmten Schulabschluss entfällt. Wer diese Voraussetzung nicht erfüllt, kann über eine neugeschaffene Regelung trotzdem zu den Fahrlehrerprüfungen zugelassen werden. Ein erfolgreich abgeschlossener Eignungstest kann laut Gesetzesbegründung hierbei ein Indiz für die Eignung sein.

Wegfall von Zugangsvoraussetzungen für Fahrlehrerausbildung Klasse BE

Die Fahrerlaubnis-Klassen A2 und CE sind als Zugangsvoraussetzung für die Fahrlehrererlaubnis Klasse BE weggefallen.

Zugangsvoraussetzungen für den Erwerb der Fahrlehrerlaubnisklassen A,CE,DE

Für den Erwerb der Fahrlehrerlaubnis-Klassen A reicht zukünftig der zweijährige Besitz der Klasse A2 und für den Erwerb der Fahrlehrerlaubnis-Klassen CE und DE der zweijährige Besitz der entsprechenden Fahrerlaubnis. Einer halbjährigen Berufserfahrung oder 60 Zusatzfahrstunden bei den Klassen CE und DE bedarf es nicht mehr bzw. nur dann, wenn der zweijährige Besitz der Fahrerlaubnisklasse noch nicht vorliegt.

Einheitliche Gesundheitsuntersuchung

Bei Antragstellung muss zukünftig eine Gesundheitsuntersuchung entsprechend der Untersuchung für die Fahrerlaubnisklasse C nachgewiesen werden.

Längere Ausbildung

Die theoretische Ausbildung hat sich von 770 auf 1000 Stunden verlängert. Diese Verlängerung soll vornehmlich dafür genutzt werden, mit den Teilnehmern Unterrichtsübungen zu absolvieren. Dadurch nehmen die Fahrlehrerausbildungsstätten den Ausbildungsfahrschulen einen Teil ihrer bisherigen Arbeit ab. Entsprechend wurde der Aufenthalt in der Ausbildungsfahrschule verkürzt. Die gesamte Ausbildung dauert zukünftig mindestens zwölf statt wie bisher zehn Monate. Davon finden acht Monate in der Fahrlehrerausbildungsstätte statt und vier Monate in der Ausbildungsfahrschule. Im ersten Monat der Ausbildung absolviert der Teilnehmer eine zweiwöchige Hospitation in einer Ausbildungsfahrschule. Im fünften Monat ist eine einwöchige Hospitation vorgesehen. Insgesamt verkürzt sich die praktische Ausbildungsphase von fünf auf vier Monate.

Stolperstein abgeräumt

Die fahrpraktische Prüfung kann der Teilnehmer zukünftig ab dem ersten Ausbildungsmonat absolvieren. Diese kann auch auf Elektrofahrzeugen beziehungsweise auf Fahrzeugen mit automatischem Getriebe erfolgen. Das Bestehen derselben ist nicht mehr Voraussetzung für die Zulassung zur Fachkundeprüfung im achten Monat. Wiederholungen ohne Sperrfrist Bei dreimaligem Nichtbestehen einer Fahrlehrerprüfung entfällt die bisherige fünfjährige Sperrfrist. Der Teilnehmer kann die Prüfungen im Rahmen einer nochmaligen vollständigen Ausbildung erneut absolvieren.

Kein Berichtsheft

Ein Berichtsheft muss während der praktischen Ausbildung zukünftig nicht mehr geführt werden.

Zum Autor: Bernd Brenner ist Geschäftsführer des Deutschen Verkehrspädagogischen Instituts (DVPI) in Frankfurt und 1. Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten (BAGFA e.V.)

 

Der mobilmacher bedankt sich bei Rolf Dautel-Haußmann und Sascha Fiek für die Mitarbeit an dieser Übersicht. In den nächsten Wochen erscheinen die weiteren Folgen zum neuen Fahrlehrergesetz

Folge 2: Fahrlehrer-Pflichten
Folge 3: Fahrschul-Kooperationen
Folge 4: Fahrschul-Überwachung