Nachrichten für Fahrschulunternehmer

Ausbildungsqualität in Zeiten des Fahrlehrermangels

Fahrschulunternehmer Sascha Fiek aus Freiburg zur den Konsequenzen des Fahrlehrermangels

Auf dem BDFU Unternehmertag verblüffte Sascha Fiek mit erstaunlichen Thesen. Sein Beitrag zum Thema „Zukunft der Fahrschulen“ wurde heiß diskutiert.

Die Fahrschule, die Sascha Fiek gemeinsam mit seiner Mutter in Freiburg betreibt, unterhält mehrere Betriebsstätten und weist eine vergleichsweise stattliche Größe auf. Gemäß den Kriterien des Fahrschul-Klima-Index der MOVING Road Safety Association e.V. gehört die Fahrschule zu denen, die entspannt in die Zukunft blicken sollten. Ob die Perspektiven wirklich so glänzend sind wie vom MOVING Klima-Index gemessen – dahinter setzte Fiek jedoch ein Fragezeichen.

Auf dem BDFU Unternehmertag referierte der Freiburger Fahrlehrer über die großen Herausforderungen, die inzwischen die gesamte Branche erfasst haben. Seine Sorge galt dabei weniger der fehlenden Auslastung, sondern mehr den mangelnden Kapazitäten. Fiek stellte fest: Der Fahrlehrermangel bedroht die Ausbildungsqualität, steigert die Ausbildungsdauer und erhöht schlussendlich auch die Kosten.

Das Dilemma mit dem Nachwuchs

Der Freiburger Fahrlehrer wies darauf hin, dass es in den letzten Jahren vielerorts gelungen sei, das Lohnniveau massiv zu steigern und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dennoch sei der Ansturm der Fahrschüler so groß, dass Mitarbeiter und Unternehmer unter enormem Zeitdruck stünden. Vor diesem Hintergrund sei die Rekrutierung des Fahrlehrernachwuchses die zentrale Aufgabe der Branche. Außerdem zitierte Fiek Prognosen, wonach in den nächsten zehn Jahren zwischen 25 und 50 Prozent der aktuellen Fahrlehrerschaft in Rente gehen würden.

Vor diesem Hintergrund warnt der Fahrschulunternehmer: „Um die künftige Nachfrage zu decken, müssen mehr Jungfahrlehrer ausgebildet werden. Auch die verbesserten Bedingungen im neuen Fahrlehrergesetz werden unser Nachwuchsproblem nicht von alleine lösen.“ Vor diesem Hintergrund sucht Fiek nach Lösungen, die nicht nur für sein Unternehmen, sondern für die gesamte Branche taugen.

Die Folgen für den Wettbewerb

Wenn also die Fahrschülerzahlen in nächster Zeit zum Beispiel durch Einwanderungseffekte nahezu konstant bleiben, aber weniger Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer zur Verfügung stehen, wird sich der Wettbewerb verändern. Fiek prognostiziert: „Dann gehen die Fahrschüler dorthin, wo sie überhaupt noch ausgebildet werden. Die Qualität der Ausbildung wird zweitrangig. Hauptsache Fahrstunden!“ Ob solche Zustände der allgemeinen Verkehrssicherheit zuträglich sind, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Die Kernfrage, die Sascha Fiek stellt, spielt also ins Grundsätzliche. Sie lautet: Wie kann eine qualifizierte Fahrausbildung für alle Fahrschüler sichergestellt werden, wenn man den Nachwuchsmangel als Tatsache hinnimmt? Dazu stellte Sascha Fiek zwei Lösungsmöglichkeiten in den Raum.

Die Stunden als Hebel

Der Freiburger Fahrschulunternehmer rechnet vor: „Wenn man für Deutschland einmal 900 000 Erstprüfungen pro Jahr annimmt und von einer durchschnittlichen Fahrlehrerleistung von 2250 Fahrstunden pro Jahr ausgeht, ließen sich bei Reduzierung der durchschnittlichen Fahrstundenzahl eines Schülers um nur eine einzige Stunde der Wegfall von 400 Fahrlehrern kompensieren.“ Gelänge es durch geeignete Maßnahmen, jedes Jahr bundesweit eine Fahrstunde einzusparen, so könnte man die Situation zumindest ein wenig entspannen.

Tatsächlich hält er als Fahrschulunternehmer langfristig deutliche Einsparungen bei den durchschnittlichen Stundenzahlen für möglich –­­­ und das bei einer weiteren Steigerung der Ausbildungsqualität und positiver Effekte für die Verkehrssicherheit. Fieks Argument: Die gewaltigen Chancen, die Technik heute bietet, unter anderem der kontinuierliche Umstieg auf Automatikfahrzeuge und der konsequente Einsatz der Möglichkeiten durch die Digitalisierung beispielsweise durch internetgestützte Lernmethoden.

Der Simulator als Hebel

Wenn Fahrlehrer fehlen, dann ist der Kollege Simulator vermehrt gefordert. Vor kurzem hat Sascha Fiek in seiner Fahrschule einen zweiten Fahrsimulator in Betrieb genommen, der nach seiner Auffassung die Ausbildung massiv unterstützt und künftig eine tragende Säule sein muss. Er forderte daher die anwesenden Vertreter des Ministeriums dazu auf, den Einsatz der Simulatoren auch in die Fahrschülerausbildungsordnung zu integrieren. Fiek gab sich sicher, dass das Potenzial der Simulatoren riesig sei und in Zukunft beispielsweise Gefahrensituationen trainiert werden könnten, die sich im realen Verkehr gar nicht darstellen lassen. Darüber hinaus sprach Fiek von der Möglichkeit, in Zukunft bestimmte Teile der besonderen Ausbildungsfahrten auf dem Simulator zu absolvieren.

Die Zukunft der Fahrschulen

Gegen den Vorwurf, dass seine Vorschläge die Grundfesten der Branche erschüttern, wehrt sich Fiek energisch: „Wir werden die frei werdenden Stunden benötigen“, davon ist der Fahrschulunternehmer überzeugt, „so rasant, wie sich die Mobilität im Moment wandelt, müssen sich auch die Fahrschulen wandeln. Fiek wörtlich: „Sollte es durch die Reduktion der Stundenzahlen überhaupt dazu kommen, dass wir neue Kapazitäten schaffen und nicht nur den Wegfall von Arbeitskräften kompensieren, dann erwarten uns viele neue Geschäftsfelder“. Als Beispiel erwähnte erwähnte er die Heranführung der Gesellschaft an die Nutzung hoch automatisierter Fahrzeuge, die Unterstützung von Senioren oder auch die Begleitung der MPU.

 

Sascha Fiek // Fahrschulen / Fahrschulunternehmer / Mobilität / MOVINGSascha Fiek ist einer der Vordenker der Branche. Er ist Fahrlehrer aller Klassen und Geschäftsführer der ACADEMY Fahrschule Fiek-Wegner-AVS GmbH & Co. OHG in Freiburg. Neben seinem wichtigen Blog www.fahrlehrerwelt.de betreibt er auch einen persönlichen Blog unter www.saschafiek.de

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