„Viele Junge wollen gar nicht mehr schalten“

Jochen Klima über Diesel-Urteil, moderne Fahrschulen und E-Mobilität. Und einer aktuellen Frage an alle Fahrschulen.

Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg hält die Folgen des jüngsten Diesel-Urteils für überschaubar. Er denkt schon einen Schritt weiter. Auf Bitte des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg bittet er die Fahrschulunternehmer im Land um ein spontanes Meinungsbild zum Thema E-Mobilität und den bevorzugten Fahrzeugen und Typen.

mobilmacher: Das Bundesverwaltungsgericht hat den Weg für Diesel-Fahrverbote geebnet. Handwerker haben vor den Folgen gewarnt. Wie sieht es bei den Fahrschulen aus?

Jochen Klima: Ich halte die Folgen für Fahrschulen für überschaubar.

Woher kommt die Zuversicht?

Der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg ist schon lange am Thema dran. Bereits vor Jahresfrist hat uns Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Landesverkehrsministerium versichert, dass alle Maßnahmen so getroffen werden, dass sie für Fahrschulen machbar bleiben. Dieses Versprechen steht.

Außerdem wird erwartet, dass erste Fahrverbote für Euro-4-Diesel nicht vor Oktober dieses Jahres kommen. Zu diesem Zeitpunkt sind die jüngsten dieser Fahrzeuge schon mindestens vier Jahre gelaufen. In den meisten Fahrschulen dürften sie dann bereits aus dem Fuhrpark verschwunden sein. Bei Euro-5-Dieseln sieht es ähnlich aus. In der Diskussion über die Verhältnismäßigkeit möglicher Diesel-Verbote wird davon ausgegangen, dass Euro-5-Antriebe nicht vor Ende 2019 aus dem Verkehr gezogen werden. Dann haben auch diese Schulungsfahrzeuge ihre vier Jahre auf dem Buckel. Fahrschulen können Sie bis dahin längst ersetzen. Und vor allem: Gegenüber den ursprünglichen Absichten der Kläger von der Deutschen Umwelthilfe sind Euro-6-Diesel nicht betroffen. Fahrschulen können also aufatmen.

Es gibt keine weiteren Konsequenzen?

Doch! Das Urteil wird die allgemeine Einstellung zum Diesel weiter verändern. Der Trend wird zum Benziner gehen.

Können auch E-Antriebe profitieren?

Keine Frage, E-Fahrzeuge werden attraktiver. Aber das Stadt-Land-Gefälle ist stark. In Metropolen funktioniert die E-Mobilität. Aber fragen Sie mal die Kollegen auf dem Land! Ich stamme aus dem Schwarzwald – dort schüttelt man nur mit dem Kopf, weil die notwendige Lade-Infrastruktur fehlt. Wenn sie beispielsweise mit einem rein elektrisch angetriebenen Fahrzeug von Freudenstadt ins Allgäu fahren wollen, müssen sie sich das genau überlegen. Es geht viel über die Landstraße, also dorthin, wo Sie kaum Ladestationen finden. Angesichts der möglichen Reichweite der meisten Fahrzeuge müssen Sie sich gut überlegen, wie diese Reise absolvieren.

In der Stadt ist Lade-Infrastruktur besser ausgebaut. Eine Chance für Fahrschulen?

In der Tat! Vor allem Jugendliche sind sehr stark an E-Mobilität interessiert. Für Fahrschulen ist sie ein starkes Marketinginstrument. Die Kollegen in den Städten stellen gerade verstärkt fest, dass immer mehr Jugendliche in der Automatikbeschränkung kein Problem mehr sehen. Sie wollen gar nicht mehr schalten. Weil sie es von ihren Eltern, die längst Automatik fahren, nicht anders kennen – und weil sie von anderen technischen Geräten gewohnt sind, dass die Dinge von alleine gehen. Ein Argument wie sportliche Fahrweise, was für Schalten sprechen würde, verliert rapide an Gewicht.

Wie sieht es mit den Fördermöglichkeiten aus?

Ich kann nur für Baden-Württemberg sprechen. Bei uns gibt es bis zu üppige 6.000 Euro Zuschuss des Verkehrsministeriums bei der Anschaffung eines E-Schulungswagen. Allerdings muss das Problem mit den Prüfungsfahrzeugen noch gelöst werden. Bei vielen gängigen Elektro-Pkw fehlt aber die Zulassung als Prüfungsfahrzeug. Die Hersteller haben aufgrund der überschaubaren Nachfrage die Kosten für eine entsprechende Begutachtung durch den VdTÜV gescheut. Doch vielleicht ist eine Lösung in Sicht.

Wie könnte diese Lösung aussehen?

Es gibt erste vorsichtige Signale aus dem Ministerium. Eventuell könnte man sich dort vorstellen, die Begutachtungskosten für einige, besonders nachgefragte Modelle zu übernehmen. Die Frage ist allerdings, welche Fahrzeugtypen das genau sein müssten. Diese Frage möchte ich – im Namen unseres Verkehrsministeriums – gerne an die Fahrschulen im Land weitergeben. Die Frage lautet: Gesetzt den Fall, sie erwägen die Anschaffung eines Elektro-PKW in Ihrer Fahrschule. Welches Fahrzeug (Marke, Typ) käme dabei für Sie in Frage? Wir freuen uns über Antworten an die E-Mail-Adresse hotline@flvbw.de

Herr Klima, vielen Dank für Ihr Engagement und das Interview.

 

Der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg freut sich auf Ihre Antwort

Hintergrund:

Beim baden-württembergischen Verkehrsministerium erwägt man unter Umständen, für einzelne, öfter nachgefragte Elektro-PKW die Kosten für eine VdTÜV-Begutachtung zu übernehmen und so den Einsatz in Fahrschulen zu ermöglichen.

Frage:

Gesetzt den Fall, sie erwägen die Anschaffung eines Elektro-PKW in Ihrer Fahrschule. Welches Fahrzeug (Marke, Typ) käme dabei für Sie in Frage?

Um Antwort wird gebeten:

Bitte beantworten Sie bis spätestens Dienstag, den 06. März 2018, 08.00 Uhr, unter der E-Mail-Adresse hotline@flvbw.de o. g. Frage:

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