Kategorie-Archiv: Frauen

„Der Fahrlehrermangel ist unser größtes Problem.“

Das Geschäft läuft in der Fahrschulbranche – so lautet die vielleicht wichtigste Erkenntnis des 3. MOVING-Expertenforums in Berlin. Die Fahrschulen im Land sind zufrieden. Doch ein Problem trübt die ansonsten gute Laune: Der Nachwuchsmangel macht Sorgen.

Gero Storjohann, verkehrspolitischer Experte in der CDU Bundestagsfraktion, ließ es sich nicht nehmen, nochmals auf die Reform des Fahrlehrergesetzes einzugehen. Es war der einzige Blick zurück an diesem hochinteressanten Tag. Denn es ging um Gegenwart und Zukunft der Fahrschulen im Land.

Gastgeber Jörg-Michael Satz (links) und Sascha Fiek (rechts)

Wie es den Fahrschulen aktuell geht, das wusste Jörg-Michael Satz, Präsident der MOVING International Road Safety Association e.V. genau. Satz stellte die aktuellen Ergebnisse des repräsentativen MOVING Klima-Index vor, in dem eine Mehrzahl der Fahrschulunternehmer angegeben hatte, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Demnach sind vor allem große Fahrschulen in der Stadt positiv gestimmt, wobei kleinen Fahrschulen auf dem platten Land deutlich zurückhaltender antworteten.

Die Skepsis der kleinen Betriebe hat gute Gründe, auch das konnte man den spannenden Diskussionen entnehmen. Besonders interessant waren dabei die Ausführungen von Dr. Karlheinz Steinmüller, Dozent für Zukunftsforschung an der FU Berlin. Er brachte die Megatrends auf den Punkt. In dem er auf gesellschaftliche Entwicklungen, Digitalisierung, veränderte Kundenbedürfnisse und demografischen Wandel einging, wurde klar: Fahrschulen stehen vor großen Herausforderungen. Sie müssen sich wandeln. Dr. Steinmüller stellte klar: „Fahrschulen sind eine spannende Branche, weil sie in einer zunehmend multimobilen Welt Wegbereiter einer neuen Fortbewegungskultur sein werden.“ Die Schlussfolgerung des Zukunftsforschers: „Wer neue Lernformen und neue Angebot im Markt etablieren kann, wird als Fahrschule auch in der Zukunft stabile Geschäfte haben.

Zukunftsforscher Dr. Karlheinz Steinmüller

Allerdings: Auf die Frage, ob er seinen eigenen Kindern den Beruf des Fahrlehrers nahe legen würde, zögerte der Zukunftsforscher . „Ich würde den Beruf meiner Tochter vielleicht eher empfehlen als meinen Söhnen“, sagte er dann. Gastgeber Jörg-Michael Satz nickte dabei deutlich. Aus seinen Erhebungen geht schon längst hervor, dass die Fahrlehrerbranche beim weiblichen Personal einen deutlichen Nachholbedarf hat.

Warum werden Sie Fahrlehrerin, Alexa Röhm?

Wie lauten die Argumente, die junge Menschen überzeugen, Fahrlehrerin oder Fahrlehrer zu werden? Ein Interview mit einer, die es wissen müsste: Alexa Röhm (FLA) lernt auf der vpa Verkehrsfachschule GmbH Kirchheim/Teck und beim Ausbildungsbetrieb Waldi’s Fahrschule, Kusterdingen.

Alexa Röhm / Fahrlehrerin / FLA / Waldi's Fahrschule / Beruf Fahrlehrerin

Alexa Röhm

Möglicherweise trägt das neue Fahrlehrergesetz dazu bei, den Beruf attraktiver zu machen. Doch Fahrschulen sollten sich nicht darauf verlassen. Dass die Bewerber plötzlich die Türen der Fahrschulen einrennen, damit ist auch nach der Reform nicht zu rechnen. Wie bei vielen Stellenbesetzungen in anderen Berufen, ist eine der erfolgreichsten Strategien, jemanden aus dem erweiterten Umfeld des Betriebes zu kennen, der sich für den schönen Beruf interessiert. Das ist nicht unbedingt Glückssache, sondern eine Frage der aktiven und wachen Kommunikation.

Darum gilt erstens: Sprechen Sie aufgeschlossene junge Menschen darauf an, ob Sie vielleicht Interesse am Fahrlehrerberuf haben, oder gegebenenfalls jemanden kennen, der sich dafür interessieren würde. Zweitens: Argumentieren Sie im Gespräch treffend und vermitteln Sie die Begeisterung, die Sie selbst an diesem schönen Beruf haben.

Als kleine Hilfestellung hat sich der mobilmacher bei einer Fahrlehrer-Anwärterin erkundigt. Wir wollten wissen: Warum haben sie sich für den Beruf entschieden? Was gab den Ausschlag? Was ist es genau, das den Beruf so attraktiv macht?

mobilmacher: Alexa Röhm, warum haben Sie sich entschieden, Fahrlehrerin zu werden?

Alexa Röhm: Wenn ich hier in der Fahrschule bin, fühlt sich das nicht nach Arbeit an. Hier kommt man mit vielen jungen Leuten in Kontakt und kann ihnen konkret weiter helfen. Das ist ein sehr gutes Gefühl.

Was haben Sie zuvor gemacht?

Ich habe Bürokauffrau gelernt, übrigens in einer Fahrschule. Danach habe ich einige Zeit in einem anderen Betrieb im Büro gearbeitet. Die Kolleginnen und Kollegen dort waren zwar alle freundlich, aber es hat etwas gefehlt. Manchmal war es wirklich eintönig. Außerdem hatte ich keinen Bezug zu den Produkten gefunden. In der Fahrschule ist das ganz anders. Das Umfeld und die jungen Leute motivieren mich. Ich kann etwas Sinnvolles tun. Hier macht es Spaß. Ich bin wirklich froh, dass ich nicht mehr am Schreibtisch fest getackert bin.

Wie sind Sie auf die Idee kommen, Fahrlehrerin zu werden?

Ich hatte natürlich noch meine Zeit in der Fahrschule im Sinn. Dorthin wollte ich wieder. Der Auslöser war dann, als ich meiner Schwester auf dem Verkehrsübungsplatz gezeigt habe, wie man schaltet und ihr die ersten Dinge beigebracht habe. Bei dieser Gelegenheit habe ich gemerkt, dass ich wohl das Talent habe, das man als Fahrlehrerin braucht. Obwohl es manchmal bei denen am schwersten ist, die man besonders gut kennt. Aber sie hat alles schnell verstanden. Ist ja auch meine Schwester.

Keine Bange vor den ungewöhnlichen Arbeitszeiten?

Überhaupt nicht. Das kommt mir sogar entgegen. Man ist deutlich flexibler als in anderen Berufen. Für mich passt es optimal: Der Morgen ist nicht unbedingt meine Tageszeit. Später bin ich produktiver. Ich hab auch kein Problem, wenn es mal länger geht. Schließlich bin ich unter Leuten. Diejenigen, die mich kennen, behaupten sowieso, ich hätte Hummeln im Po. Insofern passt der Beruf hervorragend zu mir. Ich bin dauernd unterwegs.

Und die Theorie: Freuen Sie sich darauf, den ersten Unterricht selbst zu halten?

Ja, tatsächlich. Im Moment schaue ich noch interessiert zu, wie es die Anderen anpacken. Aber wenn ich fachlich voll fit bin, dann geht’s los. Da kann man seinen eigenen Stil entwickeln und sich selbst einbringen. Muss man ja auch. Schließlich sollte der Funke überspringen, dann lernt sich’s leichter.

Wie klappt’s mit dem eigenen Lernen?

Das ist sogar ziemlich interessant. Weit spannender als ich zuvor vermutet hatte. Was man im Pädagogik-Unterricht lernt, kann man praktisch anwenden. Übrigens nicht nur im Beruf. Man kann vieles fürs Privatleben rausziehen. Vielleicht liegt’s auch daran, dass es die Dozenten bei der vpa in Kirchheim so gut rüber bringen.

Kurze Antwort zum Schluß bitte: Was ist das Schönste an diesem Beruf?

Ich glaube, es ist der Moment, wenn die Schüler fahren wie die jungen Götter und man denkt im Stillen: „Ich wars, der denen das beigebracht hat.“

Vielen Dank, Frau Röhm. Toi, toi, toi für alles Weitere.

Fahrschule / Fahrlehrergesetz / Zusammenarbeit / Kooperation / Betriebsstätten

Fakten-Check zum neuen Fahrlehrergesetz

Ein langer Gesetzgebungsprozess scheint zu einem Ende zu kommen. Der Gesetzentwurf wurde Ende März vom Parlament gewogen und für gut befunden. Experten zweifeln nicht mehr daran, dass das Gesetz in der vorliegenden Version am 1. Januar 2018 in Kraft tritt. Der mobilmacher bringt wichtige Aspekte auf den Punkt.

ZUM STAND DER DINGE

Der Verkehrsausschuss hat am 22. März 2017 dem von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf für die Reform des Fahrlehrergesetzes zugestimmt. Unions- und SPD-Fraktion votierten für die Vorlage in der durch einen Koalitionsantrag geänderten Fassung. Die Oppositionsfraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich bei der Abstimmung.

Es wird allgemein angenommen, dass die gesamten Regelungen im Mai auch durch den Bundesrat gehen. In diesem Fall wird das neue Fahrlehrergesetz noch im Sommer verkündet und würde am 1. Januar 2018 in Kraft treten. Die Branche erwartet noch mit Spannung, wie die Eckpfeiler des Gesetzes in den detaillierten Verordnungen umgesetzt werden.

WAS KOMMT. WAS BLEIBT

1. Voraussetzungen
für die Ausbildung zur Fahrlehrerin oder zum Fahrlehrer

Fahrschulen / Zugangsvoraussetzungen / Fahrlehrergesetz / Fahrlehrerinnen

Bild: Fotolia/Lars Zahner

  • Eine Fahrerlaubnis für die Klassen A2 und CE war bisher Pflicht für den Start in die Fahrlehrerausbildung Klasse BE. Mit der Reform wird diese sogenannte Zugangsvoraussetzung abgeschafft.
  • Das Mindestalter für Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer wird von 22 auf 21 Jahre herabgesetzt. Somit kann die Ausbildung im Alter von 20 Jahren begonnen werden. Als weitere Voraussetzung wird ein dreijähriger Besitz des Führerscheins Klasse B verlangt.
  • Was den schulischen Abschluss betrifft, wird verlangt: Eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein höherer Schulabschluss (zum Beispiel Fachschulreife, Fachhochschulreife oder Abitur). Alternativ kann eine langjährige Bewährung in einem Berufsfeld ebenfalls akzeptiert werden.

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Rolf Dautel-Haußmann 
zur Reform des Fahrlehrergesetzes: 
“Es hätte mehr sein dürfen“

Das neue Fahrlehrerrecht nimmt konkrete Formen an. Im Gesetzgebungsprozess war Rolf Dautel-Haußmann von der vpa Verkehrsfachschule in Kirchheim/Teck immer dann beteiligt, wenn es um fachliche Details ging. Als Mitglied des erweiterten Vorstandes von BAGFA und BDFU war er wichtiger Ansprechpartner für das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI). 

mobilmacher: Man hat viel und lange diskutiert. Nicht nur in Berlin, sondern in unserer gesamten Branche. Wie beurteilen Sie das Ergebnis, welches sich jetzt abzeichnet?

Rolf Dautel-Haußmann: Viele Punkte, die jetzt im Gesetzentwurf stehen, waren ja schon bekannt, zum Beispiel der Wegfall der Zugangsvoraussetzungen A2/CE. Es ist sicherlich gut, dass wir daran nun einen Haken machen dürfen. Trotzdem muss man sagen: Auf der Zielgerade haben offenbar Leute aus der Praxis gefehlt. Die Fachkenntnis des Parlaments scheint mir in manchen Punkten nicht ausreichend gewesen zu sein. Im Schwäbischen sagt man bei solchen Gelegenheiten sinngemäß: ‚Es war gut und viel. Aber es hätte besser und mehr sein dürfen.‘ “

vpa Kirchheim, Rolf Dautel-Haußmann / BAGFA / BDFU / Fahrlehrergesetz / Fahrlehrerrecht

Rolf Dautel-Haußmann von der vpa Kirchheim war als Experte am Gesetzgebungsprozess beteiligt

mobilmacher: Welche Punkte meinen Sie damit?

Rolf Dautel-Haußmann: Allen voran, dass die 495-Minuten-Regel am Ende eben doch wieder im Gesetz aufgetaucht ist. Das widerspricht den ursprünglichen Zielen. Es ist bedauerlich, dass man so wenig Vertrauen in die Seriosität des Berufsstandes setzt. Wir wollten weniger Bürokratie und finanzielle Entlastung. Nun droht die Rückkehr des Tagesnachweises. Und damit könnte auch im Überwachungsbereich alles beim Alten bleiben.“

mobilmacher: Was bedeutet es für Sie als Fahrlehrer-Ausbildungsstätte, wenn nun die Möglichkeit besteht, den Fahrlehrerberuf in Teilzeit zu erlernen? Weiterlesen

Zur Reform des Fahrlehrergesetzes: Fünf Fragen an Bernd Brenner

Die Reform des Fahrlehrerrechts gilt unter Experten als beschlossene Sache. Der Gesetzentwurf hat den Verkehrausschuss passiert. Bernd Brenner, der als Vorsitzender der BAGFA (Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten e.V.) als Sachverständiger am Gesetzgebungsprozess beteiligt war, ist vorsichtig optimistisch. Er verweist unter anderem darauf, dass die Details noch in den Verordnungen umsetzt werden müssen.

mobilmacher: Herr Brenner, ein langer Prozess scheint zu einem Ende zu kommen. Ein gutes Ende?

Bernd Brenner, BAGFA, Fahrlehrerausbildungsstätten

Bernd Brenner, Vorsitzender der BAGFA (Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten e.V.)

Bernd Brenner: Das Ende ist ja noch nicht ganz erreicht, aber so wie sich die Reform jetzt abzeichnet, können alle Interessenvertreter, die am Reformprozess beteiligt waren und natürlich auch der Berufsstand mit ihr zufrieden sein. Dass nicht alle Wünsche und Forderungen erfüllt wurden, liegt nach meiner Überzeugung in der Natur der Sache.

mobilmacher: Vor allem die Umstrukturierung der Fahrlehrerausbildung war ein Wunsch der BAGFA. Finden sich Ihre Interessen im neuen Gesetz wieder? Weiterlesen

Zur Reform des Fahrlehrergesetzes: Fünf Fragen an Rainer Zeltwanger

Das Fahrlehrergesetz ist auf der Zielgerade. Allen, die hautnah dabei waren, ist ein Stein vom Herzen gefallen, als der Verkehrsausschuss dem aktuell vorliegenden Gesetzesentwurf zugestimmt hat. Die 2. und 3. Lesung im Bundestag steht unmittelbar bevor. Auch der Bundesrat muss noch zustimmen. Unter Experten gelten diese nächsten Schritte  als Formsache. Die vorliegende Fassung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die endgültige Fassung des Gesetzes, das zum 1.1.2018 in Kraft treten wird. Rainer Zeltwanger, der Vorsitzende des BDFU (Bund Deutscher Fahrschulunternehmer e.V.) war einer der treibenden Kräfte im jahrelangen Reformprozess.

mobilmacher: Rainer Zeltwanger, ein langer Prozess scheint zu einem Ende zu kommen. Ein gutes Ende?

Rainer Zeltwanger / Fahrschule ACADEMY / Vorsitzender / BDFU / Fahrlehrergesetz

Rainer Zeltwanger, 1. Vorsitzender des BDFU (Bundesverband Deutscher Fahrschulunternehmen e. V.)

Rainer Zeltwanger: Auf jeden Fall! Die Branche hat über 40 Jahre auf die Reform gewartet. Ich selbst habe mich viele Jahre mit großem Zeitaufwand für sie eingesetzt. Ich fasse es noch gar nicht richtig, dass ich das Thema jetzt tatsächlich abhaken kann!

Es war enorm wichtig, dass sich mehrere Verbände in den Reformprozess eingebracht haben. Sonst hätten wir heute lediglich eine Verlängerung der Fahrlehrerausbildung auf 24 Monate und alles andere wäre beim Alten geblieben. Der BDFU hat gute Arbeit geleistet. Wir konnten mit einem Großteil unserer Vorschläge überzeugen. Am 1. Januar 2018 wird ein gutes Fahrlehrergesetz in Kraft treten. Wer will, hat dann endlich die Spielräume, sein Unternehmen zukunftsfähig zu machen, die uns bisher immer verwehrt wurden.

Klar, ein Gesetzgebungsverfahren ist kein Wunschkonzert. Am Ende geht es immer darum, aus konträren Vorschlägen bestmögliche Kompromisse zu erzielen. Ich begrüße vor allem, dass die Fahrlehrerausbildung an die heutigen Anforderungen angepasst wurde. Nun kann man im Vorpraktikum den Alltag, die Arbeitszeiten und die Anforderungen seines künftigen Berufs kennenlernen und sich erst danach für die teure Ausbildung entscheiden. In der Ausbildung selbst wurden Methodik und Didaktik deutlich aufgewertet. Die Anwärterinnen und Anwärter lernen also, wie man einen guten theoretischen und praktischen Unterricht macht. Außerdem freut mich, dass die E-Mobilität und das teilautonome Fahren verbindlicher Inhalt der Fahrlehrerausbildung werden.

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Die Kernthesen der 1. ACADEMY Unternehmerkonferenz

Die 1. ACADEMY Unternehmerkonferenz wurde zur Zukunftswerkstatt der Branche. Etwa einhundert Fahrschulunternehmer diskutierten am 3. Februar 2017 über die Zukunft ihrer Unternehmen und der gesamten Branche. Experten aus verschiedenen Fachbereichen schilderten ihre Sicht der Dinge. Hier ein Überblick der interessantesten Statements.

Matthias Wimpff (Vorstand der ACADEMY Holding AG)

Matthias Wimpff eröffnet die 1.ACADEMY Unternehmerkonferenz

„Mittel- und langfristig sind es die Megatrends unserer Zeit, die auch die Fahrschulen vor neue Herausforderungen stellen. Dazu gehören die digitale Kommunikation – vor allem für junge Zielgruppen – und die Digitalisierung des Unterrichts wie zum Beispiel mit Fahrsimulatoren, E-Mobilität und Fahrer-Assistenzsystemen auf dem Weg zum Autonomen Fahren.“

„Völlig neue Wettbewerber mischen Märkte auf. Datenfirmen wie Booking.com oder HRS krempeln den Markt des Urlaubs- und Übernachtungsgewerbes um. Rechtsberatung via Mausklick macht den über 163 000 Anwälten in Deutschland immer stärker Konkurrenz. Das Taxigewerbe kann nur mit drakonischen Gesetzen gegen den Wettbewerber Uber gerettet werden, obwohl dieser kein einziges Auto besitzt. FlixBus organisiert ausschließlich mit Daten den Fernbusmarkt in Europa neu. “

„Die Fahrschulen werden immer weniger und die Tendenz zu größeren Betriebseinheiten wird sich noch verstärken. “

 Jörg-Michael Satz (Präsident von MOVING International Road Safety Association e.V.)

Jörg-Michael Satz analysiert detailliert die Marktsituation der Fahrschulen in Deutschland

„Nach wie vor sind Frauen in der Branche unterrepräsentiert. Unsere Bestrebungen sollten dahin gehen, den Frauenanteil zu erhöhen. Blickt man auf die Gehältern, zeigt sich leider auch, dass angestellte Fahrlehrerinnen im Durchschnitt bei gleicher Arbeit weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.“

„Aktuell stellt der Fahrlehrermangel die größte Herausforderung der Branche dar. Wenn man die Zahlen arbeitslos gemeldeter Fahrlehrer und den Bestand an offenen Stellen vergleicht, hätte man schon Mitte 2014 den Fahrlehrermangel in Westdeutschland deutlich erkennen können. Der Trend war sogar schon lange zuvor abzulesen.“

„28 Prozent der Fahrschulen sehen weitere Geschäftsfelder in zusätzlichen Trainings- und Seminarangeboten. 20 Prozent erhoffen sich neue Chancen mit Angeboten für Senioren.“

Bernd Brenner (Vorsitzender der BAGFA, Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten)

„Die beiden Initiativen www.fahrlehrer-karriere.de und www.fahrlehrer-zukunft.de sind wichtige Bausteine der Nachwuchsgenerierung, weil damit auch den Beratern in den Arbeitsagenturen die hervorragenden Chancen des Fahrlehrerberufs vor Augen geführt werden.“

Bernd Brenner über das Nachwuchsproblem, seine Ursachen und die Konsequenzen

„In der Branche wird häufig verkannt, dass über die Agentur für Arbeit durchaus Bewerber in den Fahrlehrerberuf herein getragen werden, die sich in der Folge blendend entwickeln.“

„Fahrschulen müssen verstärkt dazu übergehen, die Ausbildung ihres Nachwuchses selbst in die Hand zu nehmen. Förderungen durch das sogenannte Meister-BAFÖG oder durch die Arbeitsagenturen helfen dabei. Liegen die Voraussetzungen für solche Förderungen nicht vor, müssen die Fahrschulen eigene Finanzierungsmodelle, ggf. in Kooperation mit den Fahrlehrerausbildungsstätten, anbieten. Dieser Weg wird bereits jetzt in vielen anderen Branchen mit Nachwuchsproblemen eingeschlagen.“

 Peter Pinkepank (Steuerexperte für Fahrschulen)

Peter Pinkepank erläutert die Vorzüge der Digitalisierung der Finanzbuchhaltung

„Die Digitalisierung bietet auch in der Finanzbuchhaltung große Chancen. Unternehmerisch handelnde Fahrschulunternehmer sollten das nutzen, um ihre Prozesse entsprechend anzupassen.“

„Die Unternehmer profitieren dabei von monatlich aktuellen Auswertungen, zum Beispiel zur Erfolgslage und zur Liquidität und von schnellen Analysen von Kunden und Lieferanten. S0 kann sich der Unternehmer besser auf das Geschäft und seine strategischen Entscheidungen konzentrieren.“

„Die digitale Finanzbuchhaltung hilft dabei, stets auf der sicheren Seite zu bleiben. Das ist besonders unter dem stärker werdenden Überwachungsdruck ein großer Vorteil, zum Beispiel beim eines GOBD-konformes Kassenbuches.“

 

Sascha Fiek (Fahrschulunternehmer aus Freiburg)

Sascha Fiek gibt einen Ausblick auf die Fahrschule 2020

„So wichtig und richtig die Reform des Fahrlehrerrechts für uns auch sein mag, so sehr werden auch deren Auswirkungen überschätzt. Die Branche wird zum Beispiel feststellen, dass auch dann, wenn die Reform kommen sollte, kein plötzlicher Run auf den Fahrlehrerberuf einsetzen wird. Das neue Fahrlehrerrecht ist nur ein Anfang. Die Branche steht vor ganz anderen Herausforderungen.“

„Man wird in Fahrschulen auf Globalisierung, Digitalisierung und demografischen Wandel schnell die richtigen Antworten finden müssen. Plausible Lösungsansätze sind deshalb konsequenter Simulatoreneinsatz, Ausbildung auf Automatik und digitale Lernformen wie die driverscam.“

„Als Maßnahmen für die nächsten Jahre stehen eine Modernisierung des Fuhrparks, die eigene Ausbildung von guten Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern sowie ein Veränderungen der Betriebsstrukturen oben an. Außerdem muss nach der Reform des Fahrlehrergesetzes unbedingt die Reform der veralteten Fahrschüler-Ausbildungsordnung angegangen werden.“

Positive Zeichen aus der Politik

Seit mehreren Jahrzehnten bemüht sich die Fahrschul-Branche darum, in den politischen Gremien gehört zu werden, damit die Erfahrungen aus der täglichen Verkehrspraxis stärker in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Die jüngsten Signale geben Anlass zur Hoffnung. 

Mit begründeter Zurückhaltung schaut die Fahrlehrerschaft seit einigen Jahren nach Berlin und Bonn, wo die Politik seit Jahren an der Reform des Fahrlehrerrechts arbeitet. Niemand wollte und konnte die Tatsache schönreden, dass die Umsetzung dieser Reform in der letzten Legislaturperiode verschoben wurde. Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V., fand kürzlich in einem Vortag deutliche Worte, indem er die Reform als „unendliche Geschichte“ bezeichnete. Weiterlesen

„Laienausbildung darf kein Thema werden.“

// Ina Giljohann, Vize-Präsidentin der MOVING, spricht auf dem MOVING Experten-Forum in Berlin offen aus, was aus gesamteuropäischer Sicht drohen kann. Der akute Nachwuchsmangel in Deutschland könnte eine Forderung befruchten, die niemand hören will: der Ruf nach Fahrausbildung durch Laien. 

„Fahrlehrer ist ein absoluter Engpassberuf“, stellt Ina Giljohann fest und fordert, dass endlich alles unternommen werden müsse, um den Beruf für qualifizierten Nachwuchs attraktiv zu machen. Auch bei konkreten Maßnahmen bleibt Giljohann keine Antwort schuldig. Vier Ansatzpunkte werden konkret benannt: Image, Verdienst, Möglichkeiten, Karriere.

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Anteil an Fahrlehrerinnen gering

Deutschland / Fahrlehrer / Fahrlehrerinnen / männlich / weiblich / QuoteDie vom Kraftfahrtbundesamt veröffentlichten Zahlen über Personen mit Fahrlehrerlaubnis zeigen große regionale Unterschiede beim Frauenanteil. Die Interessenvereinigung MOVING hat die Zahlen jünst aufbereitet. Demzufolge liegt der Anteil der Frauen in Ländern wie Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen überdurchschnittlich hoch bei über 10 %. Weiterlesen