Vier Indikatoren für die Zukunftsfähigkeit einer Fahrschule

Die Fahrschul-Branche hat viele Besonderheiten. Sie besteht aus Unternehmen, die einerseits erfolgreich wirtschaften müssen, andererseits aber eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllen. Und dies in einer Welt, die sich strukturell, medial und charakterlich ebenso schnell wie radikal verändert. Doch die Mehrzahl der Fahrschulen wird sich selbst in diesem komplexen Umfeld behaupten. Vier handfeste Indikatoren legen diese Vermutung nahe.


Indikator 1: 
Demografie

Die geburtenreichen Jahrgänge liegen lange zurück. Auf die geringere Anzahl von Fahrschülern haben sich die Betriebe bereits einstellen müssen. Doch während einige noch lamentieren, arbeiten andere Schulen bereits daran, eine weitere Folge aus der Demografie in den Griff zu bekommen: die Altersschere zwischen Fahrlehrer und Fahrschüler, die sich immer weiter öffnet. Inzwischen sind drei Viertel der Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen über 45 Jahre.

Mit anderen Worten: In drei von vier Fahrschulwagen besteht ein Altersunterschied von 25 Jahren zwischen Schüler und Lehrer. Doch diese Feststellung soll nicht bedeuten, dass man mit 45 Jahren bereits zum alten Eisen gehört. Auf keinen Fall. Im Grunde ist es nicht das bloße Alter, sondern die nachlassende Motivation, die problematisch werden kann und zu einer ernsten Gefahr für den betrieblichen Erfolg wird. Wer seinen Beruf nach langen Jahren nur routiniert abspult, hat ihn leider verfehlt. Dagegen gelingt es mit dem nötigen Engagement auf Seiten der Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer in jeder Situation, die Altersschere zu schließen.

Die gute Atmosphäre ist keine Frage des Alters, aber eine Sache der inneren Einstellung und der Konzentration auf jeden einzelnen Schüler. Grundbedingung dafür ist allerdings Freude am Job und Herzblut für die Sache. Man muss das Gewöhnliche mit ungewöhnlicher Leidenschaft tun, diese Parole gilt für alle Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer – egal welchen Alters. Der überwiegende Teil der Fahrschulen hat das verstanden. Motivation ist dort Chefsache. Weil nicht nur der Chef motiviert sein muss. Er ist es auch, der die Voraussetzungen schafft für motivierte Mitarbeiter. Ein gutes Betriebsklima ist unverzichtbar, aber auch die menschliche Qualifikation jedes einzelnen Mitarbeiters.

Indikator 2: Theorie

Fahrlehrern ist die Praxis oft wichtiger als die Theorie. Kein Wunder, denn die stärkste Position hat der Fahrlehrer im Auto, wo er eine 1:1-Situation vorfindet und den größten Einfluss auf den Fahrschüler ausüben kann. Doch aus der Sicht der Fahrschüler sieht die Sache anders aus. Sie sitzen fast ebenso lange im theoretischen Unterricht – und haben Zeit, sich darüber ihre Gedanken zu machen. Tatsächlich sind die Fahrschüler in vielen Fällen unterrichtserfahrener als manche Fahrlehrer. Sie lassen sich kein X für ein U vormachen. Die theoretische Fahrschulausbildung steht in der Beurteilung in der Konkurrenz zu vielen anderen Bildungsangeboten – und muss Schritt halten.

Fahrschulen sind also aufgerufen, in der Zukunft wirklich alles aus dem Theorieunterricht herauszuholen. Engagierte Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer gehören dazu. Ein frischer, begeisternder Unterricht, der die Schüler mitnimmt. Aber auch der Einsatz moderner Medien ist inzwischen obligatorisch. Dabei sollte man sich nicht nur auf vorgefertigtes Unterrichtsmaterial verlassen, sondern auch eigene Ideen einbringen. Kleine Filme von kritischen Prüfungsstellen in der lokalen Umgebung können inzwischen selbst mit dem Smartphone gedreht werden. Nur ein Beispiel von vielen, das bei den Schülern gut ankommt.

Allgemein bleibt festzuhalten: Die Theorie wird weiterhin an Gewicht zunehmen. Der Einsatz von computersimulierten Prüfungsfragen ist nicht mehr weit. Fahrschulen, die diese Entwicklung vorwegnehmen, werden ihre Marktstellung weiter ausbauen.

Indikator 3: Servicequalität

Servicequalität ist ein großes Wort. Doch gute Fahrschulen kommen nicht umhin, darauf ihr besonderes Augenmerk zu legen. Servicequalität versteht sich als Summe vieler Faktoren. Die Liste ist lang: Flexibilität und Pünktlichkeit der Fahrstunden, Atmosphäre im Auto, stimmige Abläufe, große Terminauswahl für den Theorieunterricht, Erreichbarkeit und Freundlichkeit am Telefon, saubere Rechnungsstellung, hundertprozentige Konzentration auf die Fahrschüler. Um nur einige wenige Punkte zu nennen.

Die Zeiten, in denen Servicequalität noch eine Kür-Übung war, sind längst vorbei. Inzwischen ist sie Pflicht. Ein weiteres Ergebnis der DATAPART Fahrlehrerbefragung steht damit im Zusammenhang: Auf die Frage nach den wichtigsten Kriterien für die Fahrschüler-Gewinnung antworteten fast 44 % aller Fahrlehrer mit „Empfehlungsmarketing“. Hand aufs Herz: Wer würde ein Unternehmen weiterempfehlen, mit dessen Service er nicht zufrieden war? So entscheidet die gelebte, tägliche Servicequalität von heute über die Anzahl der Kunden von morgen.

Indikator 4: Preis

Natürlich freuen sich Kunden über niedrige Preise. Doch wer Indikatoren für die Zukunftsfähigkeit von Fahrschulen sucht, sieht die Preisfrage unter einem anderen Blickwinkel. Denn es geht nicht um möglichst günstige Preise, sondern um möglichst faire. Wer beimService, im Auto und bei der Theorie einen hohen Standard setzen will, der kann nicht als Billigheimer am Markt auftreten.

So sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht angemessene Preise alsklarer Indikator für eine kerngesunde Fahrschule anzusehen. Es gilt der Grundsatz: Jede Fahrschule bekommt die Fahrschüler, die sie verdient. Wie in der letzten Ausgabe des mobilmachers ausführlich dargestellt, beträgt der Marktanteil an Schnäppchenjägern unter den Fahrschülern tatsächlich nur 12 %. Dementsprechend haben Fahrschulen, die in erster Linie mit dem Preis werben, nur eine relativ überschaubare Zielgruppe, wenn sie keine anderen Argumente für sich ins Feld führen können. Bei Qualitätsfahrschulen sieht das anders aus. Im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft ist der qualitative Weg allemal der sicherere. Der überwiegende Teil der deutschen Fahrschulen handelt bereits danach.

 

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