Simulatoren auf dem Vormarsch

Kupplung kommen lassen, Gas geben, anfahren. Die Anweisung hört sich einfach an, sie umzusetzen ist alles andere als leicht. Beim ersten Versuch rutscht der Fuß zu schnell von der Kupplung, das Auto macht einen Hüpfer und geht aus. Zweiter Versuch: Die Reifen quietschen, der Drehzahlmesser schießt in den roten Bereich – aber immerhin nicht abgewürgt. Leider ist auch beim dritten und vierten Anfahren die Abstimmung zwischen Gas und Kupplung alles andere als ideal. Nerven und Material leiden – oder würden es, wenn der Fahrschüler in einem echten Auto säße.

Stattdessen findet diese spezielle Übungseinheit im neuen Fahrsimulator statt, der ab sofort das Fahrschul-Angebot des Verlags Heinrich Vogel erweitert.

Simulator und Software wurden speziell für Fahrschulen konzipiert und programmiert, erklärt Theo Rudholzner, Leiter Software Services und Projektleiter Simulator beim Verlag Heinrich Vogel. „Das Programm leitet die Fahrschüler in sechs Einheiten von 45 Minuten mit steigendem Schwierigkeitsgrad an – vom Anfahren und Lenken bis hin zum Linksabbiegen mit Gegenverkehr und komplizierten Vorfahrtsituationen.“ So können Fahrschüler Schritt für Schritt erste Fahrpraxis sammeln. Außerdem können gezielt kritische Situationen geübt werden, wie etwa ein Radfahrer im toten Winkel oder Linksabbiegen mit Querverkehr. Das schafft mehr Verkehrssicherheit.

Cockpit mit Originalteilen

In der ersten Simulator-Einheit erläutert der Sprecher die Grundlagen wie die richtige Sitzposition sowie das Bedienen der Schaltung, der Armaturen und der Pedalerie. Damit sich die Fahrschüler auch im richtigen Auto zurechtfinden, sind im Simulator-Cockpit Originalteile verbaut. Weitere Lerninhalte des ersten Themengebiets ist das Finden des Schleifpunktes, Stop-and-GoÜbungen, Lenken in der Kurvenfahrt und schließlich das Zusammenspiel von Gas, Kupplung, Bremse und Lenkung.

„Du bist zu weit rechts. Du bist noch zu schnell. Rechts, nicht links“, geduldig korrigiert der virtuelle Sprecher Fahrfehler, bei denen wahrscheinlich schon der Stressschweiß ausgebrochen wäre. Gut für den Blutdruck, wenn bei den ersten Versuchen nicht das richtige Auto unsanft über Bordsteine rumpelt oder das Getriebe protestierend ächzt und kracht. Über eine Webcam kontrolliert der Simulator, dass der Fahrschüler Schulterblick und Spiegelkontrolle nicht vergisst. Hat er bei einer Übung noch Schwierigkeiten, wird diese so lange wiederholt, bis sie schließlich sitzt. Das Programm merkt sich die Fortschritte und setzt bei der nächsten Simulator-Fahrstunde genau dort wieder an.

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Für Grundlagen und Individual-Training

Sitzen diese Grundlagen, geht es in den virtuellen Stadtverkehr. Hier stehen Abbiegen und Vorfahrt in unterschiedlichsten Varianten und Schwierigkeitsstufen auf dem Plan. Über die drei hochauflösenden Monitore können die Schüler auch den Querverkehr einsehen und müssen wie im realen Verkehr vorausschauend agieren – denn auch virtuelle Fußgänger möchten nicht umgefahren werden.

Wer beim Rechtsabbiegen den Bordstein mitnimmt, spürt einen kräftigen Ruck, denn über die Kraftrückkopplung im Lenkrad und das Körperschallmodul im Sitz überträgt der Simulator Straßenunebenheiten und Fahrzeugvibrationen. „Ein sehr reales Fahrgefühl“, lautet das Fazit der Test-Fahrschüler, die schon die praktischen Grundlagen am neuen Vogel-Simulator lernen konnten. Zunächst schwierige Aufgaben, wie die Abstimmung von Gas und Kupplung oder das Spurhalten in Kurven, seien mit den ausführlichen Anweisungen des Sprechers schnell zu meistern, so das positive Feedback der Tester. Und auch ihre Fahrlehrer sind zufrieden: In der ersten Fahrstunde im Pkw seien die Schüler sehr sicher, könnten bereits schalten, ohne auf den Ganghebel zu schauen und würgten das Auto kaum ab.

Auch erste Automatismen beim Abbiegen, wie z.B. der Schulterblick, wurden umgesetzt und selbst anspruchsvollere Verkehrssituationen mit Bravour gemeistert. „Die Grundfertigkeiten bildet zukünftig mein Simulator aus“, so das Urteil einer Testfahrschule.

Sparprogramm Simulator

Mit der Schulung auf dem Simulator können die Fahrlehrer also Material, Kraftstoff, Zeit und vor allem Nerven sparen: Denn die Fahranfänger lernen autonom, ein Lehrer muss nicht anwesend sein. Missbrauch wird vom Programm umgehend gemeldet. Der Deckungsbeitrag einer Simulatorstunde ist damit deutlich höher als der einer Fahrstunde im Auto. Außerdem ist der Simulator mit den weiteren Vogel-Fahrschulsystemen vernetzt: Die Schüler melden sich mit ihren Zugangsdaten von „Fahren Lernen Max“ am Simulator an. Nach jeder Einheit gibt es eine Auswertung, welche Übungen schon gut klappen und was noch geübt werden muss. Auch der Fahrlehrer kann diese Ergebnisse sogar im Auto einsehen und weiß so stets, auf welchem Stand der Fahrschüler ist. Über den Fahrschul-Manager kann der Simulator wie ein zusätzliches Fahrschulauto in die Planung einbezogen werden. Außerdem hilft das moderne System, sich von der Konkurrenz abzuheben und wichtige Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

Auch die Fahrschüler profitieren von den günstigeren Fahrstunden am Simulator, bei denen sie stressfrei die ersten Grundlagen lernen und kritische Situationen meistern. So geht es entspannter und mit mehr Selbstvertrauen vom virtuellen Übungsplatz in den realen Straßenverkehr. Am Ende gewinnen alle. Der Schüler wird bei gleichen oder sogar sinkenden Ausbildungskosten professionell, effizient und ressourcenschonend ausgebildet. In der Fahrschule wird dank Simulatorausbildung ein höherer Deckungsbeitrag realisiert und dabei mehr Verkehrssicherheit produziert.

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