Interesse auf dem Prüfstand

Der Interessentest stellt das Herzstück der Mission Fahrlehrer-Nachwuchs dar. Steffen Nickel, Projektleiter bei HR Diagnostics, erläutert die Vorteile des Online-Tools.

mobilmacher: Was kann der Online-Test auf www.fahrlehrer-karriere.de leisten?

Steffen Nickel: Ich will vorausschicken, dass es sich nicht um einen Eignungstest handelt, sondern um einen Interessentest. Diesen kann jeder, der Interesse an diesem Beruf hat, freiwillig von zu Hause aus bearbeiten. Er soll darstellen, welche Anforderungen an einen Fahrlehrer gestellt werden. Also: Wie sieht die Ausbildung und wie sieht der spätere Beruf aus? Der Test soll das Interesse der Bewerber prüfen und gegebenenfalls verstärken.

mobilmacher: Wie ist der Test aufgebaut?

Steffen Nickel: Konkret besteht er aus drei Teilen. Im ersten Teil werden die Rahmenbedingungen von der Ausbildung und der späteren Tätigkeit als Fahrlehrer dargestellt. Man muss sich hier mit den einzelnen Tätigkeiten auseinandersetzen und schauen, kann ich mir das vorstellen oder trifft das auf mich zu.

Der zweite Teil fragt, was interessiert mich denn konkret oder was motiviert mich für den Beruf des Fahrlehrers. Der dritte Teil versucht konkrete Tätigkeiten im Fahrlehrer-Alltag vorzustellen – zum Beispiel Unterricht geben oder Unterrichtsstunden vorbereiten. Vielleicht auch mal Dinge, die nicht so viel Spaß machen, wie zum Beispiel den Übungsbogen auszuwerten.

mobilmacher: Was sind die Kernkriterien eines guten Fahrlehrer-Anwärters?

Steffen Nickel: Die Kernkriterien kann man ganz leicht auf den Punkt bringen. Es gibt geistige Fähigkeiten und persönliche Qualitäten.

mobilmacher: Beginnen wir mit den geistigen Fähigkeiten. Was steckt dahinter?

Steffen Nickel: Im Grunde geht es um die Intelligenz, die ein Interessent mitbringt. Auch Wahrnehmung spielt eine Rolle. Bei einem Fahrlehrer ist das zum Beispiel so was wie Dauer-Aufmerksamkeit. Ich muss während der Fahrstunde hundert Prozent konzentriert und aufmerksam sein. Hinzu kommt die Mehrfach-Aufmerksamkeit. Das heißt, ich darf mich nicht nur beispielsweise auf den Vordermann konzentrieren, sondern muss gleichzeitig auf Verkehrsschilder und Ampeln schauen. Die dritte Anforderung ist die allgemeine Intelligenz. Als Fahrlehrer-Anwärter ist man üblicherweise in der Situation, dass man sich mit den ganzen verkehrsrechtlichen Themen, von der Ausbildung her, gar nicht auskennt. Natürlich weiß man vieles noch von der eigenen Fahrschulzeit her. Gleichzeitig muss man verstehen, wie funktioniert denn so ein Auto, damit man dies auch vermitteln kann. Didaktik, Lernpsychologie und solche Dinge spielen auch eine große Rolle. Man muss ja auch theoretische Unterrichtstunden halten können. Nur weil man das Potenzial mitbringt, bedeutet das ja noch lange nicht, dass man auch gut ist.

mobilmacher: Und dann die persönlichen Voraussetzungen?

Steffen Nickel: Die Persönlichkeit bestimmt das Verhalten. Auch da gibt es an Fahrlehrer ganz besondere Anforderungen. Weil man mit anderen Menschen zusammenarbeitet und denen etwas beibringen soll, spielt die soziale Kompetenz und die Kundenorientierung eine große Rolle. Und so gibt es auch zahlreiche Persönlichkeitsmerkmale, die sehr wichtig sind für den Fahrlehrer. Die Kombination aus diesen wichtigen Persönlichkeitsmerkmalen und den geistigen Fähigkeiten ergeben dann ein sehr differenziertes Bild.

mobilmacher: Gibt es noch mehr Eigenschaften, die ein Interessent mitbringen sollte? 

Steffen Nickel: Zum Beispiel die Leistungsmotivation. Sie ist eine wichtige Eigenschaft. Gewissermaßen steht man ja in einem hierarchischen Verhältnis: Fahrlehrer – Schüler. Gleichzeitig möchte man es aber für die Fahrschüler angenehm gestalten. Das soll heißen, bin ich denn in der Lage zu erkennen, wie es meinen Fahrschülern gerade geht? Kann ich, wenn es Ihnen nicht gut geht, angemessen reagieren? Verfüge ich über das nötige Einfühlungsvermögen, um den Fahrschüler in einer solchen Situation beruhigen zu können?

mobilmacher: Fahrlehrer ist ein überaus anspruchsvoller Beruf. Können Sie das bestätigen?

Steffen Nickel: In der Tat. Deshalb ist auch die Belastbarkeit sehr wichtig. Der Beruf ist sowohl körperlich als auch psychisch sehr anstrengend. Körperlich, weil ich ewig lang im Auto sitzen muss. Aber man muss auch Vertrauen haben in den anderen. Natürlich kann man als Fahrlehrer immer eingreifen, man hat ja die Pedale. Aber letztlich muss das Grundvertrauen in den Fahrschüler natürlich da sein und damit auch die Belastbarkeit. Also ganz wichtig, wie gehe ich mit stressigen Situationen um? Gerade, wenn man zum ersten Mal mit seinem Fahrschüler losfährt, und der noch relativ unsicher ist. Da, so würde ich jetzt mal behaupten, befindet man sich in einer überaus angespannten Situation.

mobilmacher: Gehen wir einen Schritt weiter – zum Bewerbungsgespräch. Können Sie Tipps geben?

Steffen Nickel: Als Fahrschul-Unternehmer könnte man beispielsweise darauf schauen, welche Erfahrungen hat der Bewerber schon gesammelt, die vielleicht für diesen Beruf wichtig sein können. Vielleicht hat er schon Erfahrungen gemacht, die etwas mit dem Beruf zu tun haben. Vorpädagogische Erfahrungen sind natürlich von Vorteil. Sie können zum Beispiel fragen: Haben Sie schon mal eine Situation erlebt, in der Ihr Gegenüber total aufgelöst war und Sie ihn beruhigen mussten? Man könnte aber auch in die Zukunft schauen. Das heißt, man schildert dem Bewerber eine Situation: Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Fahrschüler, der schon 40 Fahrstunden hat und der von Ihnen unbedingt für die Prüfung angemeldet werden möchte? Sie sind aber der Meinung, dass er einfach noch nicht sicher genug ist, um die Prüfung zu bestehen. Trotzdem macht der Fahrschüler Druck. Was machen Sie? Diese Fragen dienen dazu, um zu schauen, wie würde der Bewerber mit solchen Situationen umgehen, die als Fahrlehrer höchstwahrscheinlich auf ihn zukommen. Hier macht man sich einen gewissen psychologischen Zusammenhang zunutze. Denn die Absicht, wie man sich verhalten möchte, hängt sehr stark mit dem späteren tatsächlichen Verhalten zusammen. Deshalb fertigt man in diesem Interview mentale Arbeitsproben. Das heißt, ich versetze den Bewerber in eine berufliche Situation und frage ihn, wie er sich verhalten würde. Das ist die ökonomischste Form einer Arbeitsprobe.

mobilmacher: Können sich Persönlichkeitsmerkmale nicht verändern?

Steffen Nickel: Alle Persönlichkeitsmerkmale, über die wir jetzt gesprochen haben, die sind stabil. Daran wird man nichts ändern können. Die meisten davon sind ab einem Alter von 20 Jahren stabil. Da ändert sich kaum noch was, vielleicht in Nuancen. Bei der Intelligenz muss man differenzierter herangehen. Es gibt verschiedene Intelligenzmodelle. Man unterscheidet zwei Arten der Intelligenz. Einmal die fluide Intelligenz, das ist die Fähigkeit, schnell neue Dinge zu erkennen und zu lösen. Die ist tatsächlich Anfang 20 ganz weit oben und leider schon auf dem Höhepunkt. Das heißt, ab ca. 25 Jahre nimmt sie schon wieder ab. Es gibt zum Glück noch eine andere Form der Intelligenz, das ist die sogenannte kristalline Intelligenz. Diese baut sozusagen auf einem gewissen Erfahrungsschatz auf und nimmt im Lebensalter natürlich immer mehr zu. Die Abnahme der fluiden Intelligenz wird sozusagen durch die kristalline Intelligenz kompensiert.

mobilmacher: Zurück zum Interessentest. Was sind die häufigsten Merkmale, die schon Interessenten nicht erfüllen?

Steffen Nickel: Das ist schwer zu sagen. Erst mal sind es die falschen Erwartungen, die an den Beruf gestellt werden. Man ist sich oft einfach nicht dessen bewusst, was wirklich auf einen zukommt. Das können ganz einfache Dinge sein, wie zum Beispiel die Arbeitszeiten. Viele wissen vielleicht auch nicht, dass man Theorieunterricht halten muss oder viele mögen es einfach nicht. Da gibt es Kandidaten, denen macht es Spaß, andere hassen das. Das kann ein Grund sein. Darum ist es wichtig gleich am Anfang sauberes Personal-Management zu machen. Dieser Interessentest ist genau das richtige Instrument, um die richtigen Leute anzusprechen.

Vom Interessentest auf www.fahrlehrer-karriere.de profitieren Interessenten und Fahrschulen gleichermaßen.

So profitieren Interessenten:
Über den Text lernen die Interessenten die speziellen Anforderungen des Berufsbildes Fahrlehrer detailliert kennen.

So profitieren teilnehmende Fahrschulen:
Die Interessenten werden nach dem Test auf offene Stellen hingewiesen. Teilnehmende Fahrschulen können das Test-Ergebnis mit Einverständnis des Interessenten erhalten und so dessen Motivation für den Beruf im Vorfeld einschätzen.

 

HR steht für Human Ressources und langjährige Erfahrung im Bewerbermanagement sowie bei der Personalauswahl und Leistungsbeurteilung. Die wissenschaftlich fundierten Methoden von HR Diagnostics kommen gerade im Online-Bereich zur Geltung. Mit den Autobauern Daimler, BMW und Audi sowie anderen DAX-Unternehmen wie eon, Lufthansa und Deutsche Post findet sich die Spitze der deutschen Wirtschaft auf der Kundenliste der HR Diagnostics AG. Fokus der Tätigkeit von HR Diagnostics ist die Beurteilung und Förderung beruflicher Leistung und Leistungsfähigkeit für die Auswahl, Platzierung und Entwicklung von Mitarbeitern.

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