Drei Mega-Trends für Fahrschulen

Die Zukunft lässt sich nicht aufhalten. Deutschlands Fahrschulen werden diese Erkenntnis zu spüren bekommen. Unter den vielen Mega-Trends, die unser Leben in beträchtlicher Weise verändern werden, sind auch drei, die direkt das Geschäftsmodell der Fahrschulen beeinflussen.

Das Tempo, mit dem sich unser Leben verändert, hat rasch zugenommen. Wer hätte schon bei der Jahrtausendwende gedacht, dass wir binnen 15 Jahren fast alle wichtigen Dinge des Lebens über ein kleines Gerät beeinflussen können, das wir in der Hosentasche mit uns führen? Das Smartphone ist nur ein kleines Beispiel. Im Großen darf man feststellen: In allen Bereichen unseres Lebens findet ein Veränderungsprozess statt, der sich selbst beschleunigt. Die  Fahrschulen werden sich dem nicht entziehen können.

DIE GUTE BOTSCHAFT

Fahren lehren ist ein Dienstleistungsberuf par excellence. Die Leistungen, die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer erbringen, für den Einzelnen und die Gesellschaft, werden auch in der Zukunft wichtig bleiben. Während andere Berufsbilder durch den digitalen Wandel vom Aussterben bedroht sind, bleibt der Fahrlehrer ein wichtiger Wissensvermittler. Auch in ferner Zukunft wird Autofahren eine zentrale Kulturtechnik bleiben. Zugegeben, man kann auch ohne eigenen Führerschein zurechtkommen. Aber nur ein kleiner Prozentsatz wird das tun, in einer der großen Industrienationen wie Deutschland. Trotzdem verändert sich Grundlegendes: Es geht um die Art und Weise, wie Lernen vermittelt wird, es geht um Mobilität und Kommunikation im Allgemeinen.

ACHTUNG: ZIELGRUPPE!

Das Kerngeschäft der Fahrschulen bleibt also erhalten. Aber es verändert sich in hohem Maße. Wer mit seiner Fahrschule langfristig erfolgreich sein will, sollte die Mega-Trends besser heute als morgen vorwegnehmen. Es geht darum, das wichtigste Klientel der Branche im Auge zu behalten: die Jugend. Die Kundschaft der Fahrschulen besteht genau aus dem Teil der Bevölkerung, der neue Trends am schnellsten aufnimmt und sie zum selbstverständlichen Bestandteil ihres Lebens macht. Darum sind Fahrschulen verpflichtet, diese Trends zu adaptieren. Besser heute als morgen. Das kann Fluch und Segen zugleich sein. Ein Fluch, weil Betriebe, nicht nur in unserer Branche, ständig dazu neigen, träge zu sein. Und jede Veränderung benötigt eine Kraft, die sie antreibt. Die Situation kann aber auch zum Segen werden, weil Fahrschulen, die sich bewegen, einen klaren Wettbewerbsvorteil schaffen können. Der mobilmacher gibt im Folgenden einen groben Überblick der Mega-Trends, denen die Fahrschulen ins Auge schauen sollten.

PATENTREZEPTE GIBT ES NICHT

Nichts bleibt wie es ist. Die aktuellen Mega-Trends verändern unser Leben. Die Herausforderungen sind zahlreich. Fahrschulen sind vor Aufgaben gestellt, für die es keine Patentlösungen gibt. Trotzdem tut man gut daran, den Trends ins Auge zu schauen. Im Folgenden ein Überblick – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Mobilität, Verkehr, Fahrschulen, Fahrschüler, Autonomes Fahren, Fahrerassistenzsysteme, Car Sharing

Mega-Trend No.1: Die neue Mobilität

Noch nie waren die Deutschen so mobil wie heute. Das bestätigen auch die Analysen der Forschungsinstitute. Sie zeigen aber auch,wie grundlegend sich das Mobilitätsverhalten verändert hat. Beispiel: Car-Sharing. Laut CarSharing-Verband hat sich in diesen Wochen der millionste Nutzer bei einem Anbieter in Deutschland registriert. Beispiel: Öffentliche Verkehrsmittel. Die Marktöffnung für Linienfernbusse hat zu einem richtigen Fahrgastboom geführt. Die zunehmende Bereitschaft Jüngerer auf ein eigenes Auto zu verzichten und verschiedene Verkehrsmittel sehr individuell zu nutzen, macht sich heute schon bei der Altersstruktur der Fahrschüler bemerkbar. Der Führerschein ist wichtig und wird es bleiben, jedoch bei vielen der Generation Y, vor allem in den Großstädten, steht er bestimmt nicht mehr an der ersten Stelle. Auf der anderen Seite sollte man nicht aus dem Auge verlieren, dass nach wie vor viele Deutsche mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Und zwar das ganze Leben lang. Nur so lässt sich erklären, dass sich der Pkw-Bestand in Deutschland auf einem Höchstniveau befindet.

Im letzten Jahr betrug das Durchschnittsalter der privaten Neuwagenkäufer in Deutschland 52 Jahre und fast 80 Prozent der Haushaltsvorstände, die 65 Jahre alt oder älter sind, haben ein eigenes Auto. Alle sind Teil dieser neuen, sich verknüpfenden Mobilität. Die Automobilbranche lebt uns vor, welche Entwicklungen in den nächsten zehn Jahren unsere Mobilität mit dem Auto prägen werden. E-Mobility, Multimedia, Konnektivität, Assistenzsysteme und das teilautonome Fahren sind die Trends der Zukunft.

Fahrlehrer, Fahrschüler, Marketing, Werbung, Kommunikation

Mega-Trend No.2: Die neue Kommunikation

Als Dreh- und Angelpunkt der neuen Kommunikation hat sich das Internet längst etabliert. Ohne das Netz würde unser heutiges Leben nicht mehr funktionieren. Dementsprechend wird die Kommunikation immer digitaler. Wir alle sind „im Netz“. Wer sich dem widersetzt, wird von der Kommunikation abgeschnitten bleiben. Mit „Connected Car“ kommt dieses Netz direkt ins Auto. Damit werden völlig neue Kommunikationsmöglichkeiten in unseren Autos und auf unseren Straßen geschaffen.

Die neue Kommunikation hat auch die Fahrschulen erreicht und wird sie stark verändern. Der Kontakt mit den Interessenten, Kunden und Fahrschülern wird immer digitaler, denn schon das so wichtige Empfehlungsgeschäft findet im Internet bzw. bei Facebook und Co. statt. Ob berechtigt oder nicht, auch Bewertungsportale gewinnen bei den Kaufentscheidungen zunehmend an Bedeutung. Der erfolgreiche Einsatz moderner Lehr- und Lernmedien ist heute schon ein wichtiger Wettbewerbsfaktor und ein Trend wie zum Beispiel „Blended Learning“ wird den Unterricht einer Fahrschule weiter nachhaltig verändern, vielleicht besser gesagt, modernisieren.

Fahrlehrer, Ausbildung, Weiterbildung, Mitarbeiter-Know how

Mega-Trend No.3: Das neue Mitarbeiter Know-how

Das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter, insbesondere an die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, wird in den nächsten zehn Jahren weit umfangreicher werden. Wer, wenn nicht die Fahrschulen, kann die Menschen besser bei der Entwicklung der neuen Mobilität begleiten?

Deshalb werden sich die Fahrschulen noch breiter aufstellen müssen. Sie sind gefordert, neue bzw. weitere Zielgruppen anzusprechen. Sie sollten die Kompetenz besitzen, die Auswirkungen der neuen Mobilität zu antizipieren. Eine Vielzahl weiterer Anforderungen und Aufgaben wird somit auf die Fahrschul-Unternehmen zukommen. Eine individuelle und professionelle Beratung, eine effiziente und erfolgreiche Führerscheinausbildung, spezielle neue zielgruppenorientierte Kursangebote und eine umfassende Kompetenz in den Themen der neuen Mobilität beschreiben das notwendige Mitarbeiter Know-how der Zukunft.

Die Dienstleistungen eines Fahrschulbetriebes werden komplexer. Die Spezialisierung einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf bestimmte  Ausbildungsbereiche wird sich noch verstärken und die ständige Weiterqualifizierung werden elementare Bestandteile der Personalentwicklung in einer Fahrschule sein. Erfolgreiche Fahrschul-Unternehmen werden in der Zukunft verstärkt in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind kein Kostenfaktor, sondern ein wertvoller und gewinnbringender Bestandteil eines Fahrschulbetriebes.

DAZU EIN KOMMENTAR VON MATTHIAS WIMPFF.

Die Veränderungsspirale beschleunigt sich weiter. Fest steht: Um die Herausforderungen zu meistern, muss der Fahrschulunternehmer neue betriebswirtschaftliche Lösungen finden. Aber vielleicht sollte man auch einen Schritt weiter denken. Die Frage sei erlaubt: Ist das bisherige Geschäftsmodell einer Fahrschule ohne eine Weiterentwicklung zukunftsfähig? Aus den heutigen Fahrschulen können Kompetenzzentren für die individuelle Mobilität werden. Der Fortschritt macht vor keiner Branche halt. Darüber sollte man auch in den Fahrschulbetrieben offen und ehrlich diskutieren. Sorgen und Befürchtungen sind ernst zu nehmen. Chancen und Möglichkeiten sind zu ergreifen. Als Unternehmer ist man gefordert, den Wandel erfolgreich  mitzugestalten und den Fortschritt als Chance zu begreifen.

Übrigens: Die Politik wird diesen Wandel, dort wo es sinnvoll erscheint, mehr oder weniger stark beeinflussen. Dort, wo es notwendig ist, wird sie hoffentlich regulierend eingreifen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger sollten wir erwarten.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.