Facebook. Schon veraltet?

Was liegt für Fahrschulen im facebook-Marketing wirklich drin? Lohnt sich der Aufwand? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Nach 10 Jahren ist Facebook erwachsen geworden. 

Die Zahlen aus Deutschland sprechen für sich: Am Beginn dieses Jahres verzeichnet facebook in Deutschland rund 27 Millionen aktive Nutzer. Davon entfielen rund 3 Millionen auf die Altersklasse zwischen 13 und 17 Jahren, rund 6 Millionen aktive Nutzer liegen in der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren. Für die Fahrschul-Werbung ist facebook ein interessantes Medium. Was das Alter betrifft, passt die Zielgruppe. Mit Empfehlungen und Likes kann es den Fahrschul-Unternehmern gelingen, ihre Kunden zu Multiplikatoren zu machen. Viele Freunde, viele Likes, viele neue Fahrschüler. Wer genau hinschaut, entdeckt schnell, dass es sich im Grunde um einen uralten Schuh handelt. Denn das Geschäft der Fahrschulen lief schon vor 40 Jahren nach genau diesem Grundsatz: Es ist nichts anderes als das gute, alte Empfehlungsmarketing. Es hat sich lediglich in eine andere Welt verlagert.

DAS EMPFEHLUNGSGESCHÄFT WIRD DIGITAL

Diese Digitalisierung geschieht mit aller Konsequenz. Wer mit seinen Schülern eine Cola trinkt, hat in der Regel niemanden im Nacken, der die Gespräche aufzeichnet. Wer mit seinen Schülern eine virtuelle Cola auf facebook trinkt, muss damit leben, dass der gesamte Dialog aufgezeichnet wird und jederzeit wieder abrufbar ist. Das ist normal, das sollte man im Auge behalten. Aber für Fahrschulen ist das nichts Neues. Dass man dem großen sozialen Netzwerk immer noch skeptisch gegenübersteht, ist also durchaus verständlich, aber im Zusammenhang mit der Werbung von Fahrschulen weitgehend bedeutungslos. Die deutlichen Mängel im Datenschutz, der Verlust von persönlichen Bildrechten und Verletzungen der Privatsphäre, das alles sind keine erfundenen  Geschichten. Sollten aber Fahrschulen nicht dazu verleiten, eines der mächtigsten Werbe-Instrumente zu ignorieren. Im Gegenteil. Facebook ist ein ideales Instrument, um mit seinen Kunden in Kontakt zu bleiben – vor der Ausbildung, während der Ausbildung und vor allem danach. Der Kontakt zu den  Meinungsführern in Freundeskreisen, Cliquen und Vereinen kann über facebook am Leben gehalten werden.

NICHT ALLE, ABER DIE GUTEN

Zum überwiegenden Teil sind diejenigen auf facebook aktiv, die auch außerhalb der virtuellen Welt besonders viele Sozialkontakte pflegen. Das gilt gerade bei den jungen Zielgruppen. Wer im richtigen Leben kontaktfreudig und offen ist, der gehört überproportional häufig auf facebook zu den besonders Aktiven. Fahrschulen sollten sich diese Chance nicht entgehen lassen. Es geht um die Meinungsführer, und es geht darum, am Ort, im lokalen Umfeld Präsenz zu zeigen. Mit fast keinem anderen Medium geht das so unkompliziert wie mit facebook. Vorausgesetzt, man besitzt die richtige Strategie und geht professionell mit dem komplizierten Medium um.

ZIEHT DIE HERDE WEITER?

Die Unkenrufe, die aktuell in vielen Print-Medien behandelt werden, sind trotz aller Euphorie nicht von der Hand zu weisen. Während ältere User sich häufig mit Klarnamen im Netz angemeldet haben, wird das heutzutage von der Jugend schon als oldschool und gefährlich abgetan. Das zeigt, dass die Jungen  durchaus kritisch mit dem Medium umgehen. In vielen Fällen übersteigt die Medienkompetenz der Schüler und Schülerinnen die ihrer Eltern. Und das ist auch gut so. Seit vielen Monaten steigen die Abmeldungen auf facebook. Auch das ist eine Tatsache. Manche Schülerinnen und Schüler ziehen ihre  Konsequenzen. Warum auch nicht? Dass man deshalb bereits das facebook-Ende an die Wand malt, das ist allerdings weit übertrieben. Untersucht man die Gründe der Abwanderung, stellt man fest, dass viele nur das soziale Medium wechseln. Sie ziehen auf Pinterest, Instagram oder halten über WhatsApp den Kontakt zu ihren Freunden. Während manche das Medium noch entdecken, ziehen andere schon weiter – ein völlig normaler Vorgang. Den Siegeszug von Social Media gefährdet das kein bisschen. Ein Wechsel von facebook zu WhatsApp ist wie der Verkauf eines VW Golf zu Gunsten eines Audi A3. WhatsApp wurde vor kurzem von Facebook geschluckt. Es wird wohl noch die üblichen zwei Jahre Respektabstand in Anspruch nehmen, dann könnte die WhatsApp-Gemeinde wieder mit facebook vereint sein. @

Trotzdem sollte man vorsichtig sein mit konkreten Prognosen. Aber auch schon vor dem Internetzeitalter war der Blick in die Glaskugel verstellt. Niemand kann vorhersagen, welche sozialen Netzwerke sich in Zukunft durchsetzen werden. Sicher ist nur eines: Für Fahrschulen sollte es zum Handwerkszeug gehören, sich dort mit ihrem Angebot und ihrem Unternehmen breitzumachen. Von allen sozialen Netzwerken ist facebook immer noch das, welches mit Abstand am weitesten verbreitet ist.

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