Wissenswertes über Betriebsprüfungen

Eine Betriebsprüfung im Haus zu haben, stellt für viele Fahrschulen eine Belastung dar. Vermeiden kann man sie nicht. Trotzdem kann Insider-Wissen dazu beitragen, den Schrecken zu mindern und unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Der mobilmacher hat den Experten Jörg-Michael Satz um einige Antworten gebeten.

mobilmacher: Herr Satz, wie oft werden Betriebsprüfungen durchgeführt?

Jörg-Michael Satz: Grundsätzlich kann jedes Unternehmen und jede Privatperson betroffen sein. Wie oft ein Unternehmen geprüft wird, hängt in erster Linie von der Umsatzhöhe und dem steuerlichen Gewinn ab.

mobilmacher: Stimmt es, dass die Kleinen öfter dran kommen?

Jörg-Michael Satz: Nein, glücklicherweise verhält es sich sogar umgekehrt: Als kleines Unternehmen ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass eine Betriebsprüfung durchgeführt wird. Es wird in Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe unterschieden. Aus der Betriebsprüfungsstatistik des Jahres 2012 ergibt sich, dass eine Fahrschule mit nicht mehr als € 160.000 Umsatz und weniger als € 34.000 Gewinn zu den Kleinstbetrieben gehört. Wird einer der beiden Grenzwerte überschritten, gehört die Fahrschule zu den Kleinbetrieben. Für alle Betriebe, die unterhalb dieser Schwellen bleiben, gilt: Von 100 Kleinstbetrieben wird gerade einer pro Jahr einer Betriebsprüfung unterzogen – wenn man die Prüfungsstatistik von 2012 zu Grunde legt.

mobilmacher: Worauf sollten Fahrschulen achten, damit sich der Schrecken der Betriebsprüfung in Grenzen hält?

Jörg-Michael Satz: Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass man vom Finanzamt vergessen wird. Zwar hat der Staat kein Geld und spart auch bei den Personalkosten in der Finanzverwaltung, doch unterstellt dieser, dass gerade bei den sogenannten Kleinen einfach Geld zu holen ist. Oftmals können sich die Kleinunternehmen keine guten Steuerberater leisten, wodurch die Fehlerquote in der Buchhaltung deutlich höher sein kann und es somit fast immer zu nicht unerheblichen Steuernachzahlungen kommt. Zum anderen verfügen die Finanzämter heutzutage über elektronische Kontrollmechanismen und die zuständigen Sachbearbeiter beim Finanzamt sind besser auf Ungereimtheiten geschult oder die Betriebsprüfer u. a. auf die Fahrschulbranche spezialisiert. Die Frage drängt sich auf. Wie kommt es, dass immer mehr Fahrschulen ins Visier der Finanzverwaltung geraten?

mobilmacher: Wissen Sie darauf eine Antwort: Wann muss eine Fahrschule mit einer Betriebsprüfung rechnen?

Jörg-Michael Satz: Darauf gibt es zwei Antworten – und keine davon ist kurz und knapp. Darum habe ich Checklisten zusammengestellt, damit Fahrschul-Unternehmer ein Gefühl dafür bekommen, wann eine Betriebsprüfung anstehen könnte.

mobilmacher: Herr Satz, wie kann man eine Betriebsprüfung überstehen?

Jörg-Michael Satz: Viele Prüfungen erfolgen einfach nach dem Zufallsprinzip. Einen Schutz vor einer Betriebsprüfung gibt es nicht. Und es kann ihn auch nicht geben, schließlich hat das Finanzamt eine Pflicht zur Kontrolle. Darum kann man an dieser Stelle nur einen wichtigen Tipp geben: Höchste Sorgfalt oder ein guter,  umsichtiger Steuerberater sind die Voraussetzungen eine Betriebsprüfung ohne unliebsame Überraschungen zu überstehen.

mobilmacher: Aus Ihrer Erfahrung: Wo schaut das Finanzamt genau hin?

Jörg-Michael Satz: Grundsätzlich schaut das Finanzamt überall hin. Auf der Ausgabenseite wird vor allem geprüft, ob die steuermindernden Betriebsausgaben auch tatsächlich dem Betrieb zugerechnet werden können – oder ob sie nicht doch privat veranlasst sind. Etwas komplexer verhält sich die Einnahmenseite.

mobilmacher: Woher stammen die Infos des Finanzamtes?

Jörg-Michael Satz: Neben den vielfältigen Möglichkeiten der Datenbeschaffungen von anderen staatlichen Stellen, muss man auch damit rechnen, dass sich der Prüfer über die Bewegungen auf Bankkonten informiert. Die Ämter bemühen sich nach Kräften, Schlupflöcher für unversteuerte Einnahmen weiter zu schließen. Für die Unternehmen bedeutet das: Man darf damit rechnen, dass sich das Finanzamt ein umfassendes Bild vom Unternehmer, seinem Unternehmen und seinem geschäftlichen Handeln machen wird.

 

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