Fahrlehrermangel verschärft sich

Eines der auffälligsten Ergebnisse der DATAPART Expertenbefragung 2015: Fast die Hälfte aller Fahrschulen suchen gute Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer. Der Wettbewerb um die Besten läuft bereits.

Die sechste und letzte Frage an Deutschlands Fahrschul-Inhaber hatte es in sich. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen innerhalb der Branche waren viele bereits gespannt, ob sich die Zahl der Fahrschulen verändert, die neue Kolleginnen und Kollegen suchen – wenn überhaupt. Tatsächlich rieben sich einige Vertreter des Berufsstandes schon vor Jahresfrist verwundert die Augen, als die DATAPART Expertenbefragung des letzten Jahres veröffentlicht wurde. Sie wies aus, dass 35,63% aller Fahrschulen auf der Suche nach Verstärkung waren. Anders ausgedrückt: Ein Drittel aller Inhaber suchten neue Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer. Es war eine Zahl, die die Branche aufhorchen ließ.

PRINZIP HEUHAUFEN

Im Laufe des letzten Jahres waren die Klagen der Betriebe nochmals lauter geworden. Fast schien es so, dass gute Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer so rar seien wie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen. Vielleicht nur mit dem Unterschied, dass sich nicht nur einer allein auf der Suche nach der goldenen Stecknadel befand. Deshalb wurde das Ergebnis der aktuellen Expertenbefragung 2015 mit Interesse erwartet. Hatte sich nur ein falscher Eindruck ergeben, weil die Branche auf ein Nachwuchsproblem nicht vorbereitet war? Alles nur Panikmache?

FAST DIE HÄLFTE. AUSRUFEZEICHEN!

In der Tat konnte die siebte offizielle DATAPART Experten-Befragung 2015 dazu beitragen, dass letzte Zweifel an der Faktenlage ausgeräumt wurden. Die Problemstellung ist offensichtlich. 47,96 % aller Fahrschulen, die an der Befragung teilnahmen, gaben an, im Moment auf der Suche zu sein. Ein sprunghafter Anstieg, mit dem nur wenige gerechnet hatten. Dies bedeutet, dass die Nachfrage um 30% innerhalb eines Jahres gestiegen ist. Und wer weiß, wo der Trend noch hingeht!

Fest steht eines am Anfang des Jahres 2015: Wer sich als Fahrschule schwer tut, geeignetes Personal für den Fahrschulwagen zu finden, befindet sich leider in bester Gesellschaft. Schließlich geht es nicht nur darum, irgendjemanden auf der Beifahrerseite zu platzieren. Von entscheidender Bedeutung wird es sein, die Fahrlehrerpedale mit einer Person zu besetzen, die den qualitativen Anforderungen an einen Fahrlehrer, der zunehmend zum pädagogischen Mobilitätsberater wird, bestmöglichst zu erfüllen. Nicht die reine Quantität der Bewerber zählt. Es kommt auf die Qualität  des Nachwuchses an. Und hier ist jede einzelne Fahrschule auf die Hilfe aller, die die Branche vertreten und der Politik angewiesen. Bleibt der Beruf des Fahrlehrers auch in der Zukunft so lukrativ, dass es sich für einen talentierten Interessenten lohnt, seine Lebensplanung auf dieses Berufsbild auszurichten? Es wird eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten erfordern, damit diese Frage bald wieder mit einem überzeugenden „Ja“ beantwortet werden kann. Die Ja-Sager dürfen allerdings nicht nur aus den eigenen Reihen kommen. Wichtig ist, dass der qualifizierte Nachwuchs „Ja!“ zum Fahrlehrer-Beruf sagt. Gerne auch mit Ausrufezeichen.

DIE DATAPART EXPERTENBEFRAGUNG

Bis heute ist sie die größte Erhebung der gesamten Fahrschulbranche: Die DATAPART Expertenbefragung hält seit Jahren der Branche einen Spiegel vor. Es ist ein Rückspiegel, gewiss. Aber manche Ergebnisse lassen sich durchaus verwenden, um einen Blick in die Zukunft zu riskieren. Bis heute besitzt kein anderes Instrument der Branche die Aussagekraft der DATAPART Expertenbefragung. Auch am Ende des letzten Jahres sind wieder 10.000 Fragebögen an die Fahrschulen in Deutschland geschickt worden. Wie immer befand sich der Rücklauf im Rahmen des Erwarteten. Genau 857 Fahrschulen, also rund 10% der angeschriebenen Fahrschulen, haben auch in diesem Jahr wieder teilgenommen. Daraus lässt sich ein gültiges und aktuelles Stimmungsbild der Branche ableiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist die einzige Umfrage dieser Art, die schon seit sieben Jahren mit Regelmäßigkeit durchgeführt wird. DATAPART bedankt sich bei allen Teilnehmern, in dem sie die Ergebnisse dem Fachpublikum zur Verfügung stellt. Alle weiteren Ergebnisse der diesjährigen Expertenbefragung werden in der nächsten Ausgabe des mobilmacher besprochen.

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