Das Finanzamt kann kommen

„Willkommen in unserer Fahrschule“, sagt man in herzlichem Ton, wenn neue Fahrschüler die Räume betreten. Wenn die Finanzbeamten unangekündigt kommen, ist die Herzlichkeit meist etwas gedämpft. Was passiert eigentlich bei diesen Besuchen?

Wenn man weiß, was kommen kann, ist es hinterher meist halb so schlimm. Das gilt auch für unangekündigte Besuche von Finanzbeamten. Wenn sie erscheinen, kommen sie ungebeten und irgendwie auch immer ungelegen. Deshalb sollten Fahrschulen ständig darauf eingerichtet sein. Natürlich ist es hilfreich, sich vor Augen zu führen, was die Beamten eigentlich kontrollieren. Stehen sie einmal in den Räumen, haben Unternehmer und Angestellte eine Mitwirkungs- und Auskunftspflicht. Die Möglichkeiten noch Kleinigkeiten hieb- und stichfest zu machen sind nur noch gering. Allerdings darf man beruhigt feststellen: Eine gut geführte Fahrschule wird über die Punkte, die vor Ort kontrolliert werden, nur schmunzeln.

Was das Finanzamt damit bezweckt:

Die Überprüfung soll dem Finanzamt beispielsweise Klarheit verschaffen über:

• die Anzahl der im Betrieb tätigen Personen
• Feststellung der Arbeitnehmer oder Arbeitgebereigenschaften
• Prüfung der steuerlichen Behandlung von Minijobs
• Prüfung der jährlichen Entgeltgrenze von € 5.400 (12 x € 450) im Zusammenhang mit dem ab dem 1. Januar 2015 geltenden Mindestlohn von € 8,50
• Überprüfung der Aufzeichnungspflichten im Rahmen des Mindestlohngesetzes

Finanzamt, Lohnsteuer, Fahrschulen, Betriebsprüfung

 

 

 

 

Was das Finanzamt häufig checkt:

DAS FAHRTENBUCH
Sollte das zu führende Fahrtenbuch nicht zeitnah geführt worden sein und damit als nicht mehr manipulationssicher eigestuft werden, könnte die Besteuerung der KFZ Privatnutzung mittels der 1 % Regelung erfolgen. Wird die Ordnungsmäßigkeit des Fahrtenbuches verworfen, erfolgt die Besteuerung mittels der 1 % Regelung nicht erst ab dem Feststellungszeitpunkt (Tag der Kontrolle), sondern eventuell auch rückwirkend für das ganze Kalenderjahr.

DIE LOHNSTEUER
Mit Hilfe der Lohnsteuernachschau will sich das Finanzamt einen besseren Einblick über den tatsächlichen Betriebsablauf machen. Ergeben sich im Rahmen der Lohnsteuernachschau Beanstandungen, hat der Finanzbeamte das Recht, sofort zu einer Lohnsteuerprüfung überzugehen und der Fahrschulinhaber hat nicht mehr die Möglichkeit, sich auf die Prüfung vorzubereiten.

UNTERLAGEN Der Fahrschulinhaber muss dem unangekündigten Besucher aus dem Finanzamt auf Verlangen beispielsweise folgende Unterlagen vorlegen:
• Lohn- und Gehaltsunterlagen
• Aufzeichnungen
• Geschäftsbücher
• Geschäftspapiere
• sowie andere Urkunden, die mit dem Betrieb im Zusammenhang stehen

Weitere Informationen lesen Sie hier:

  • Ein Interview zum Thema Betriebsprüfung mit Jörg-Michael Satz

Der mobilmacher bedankt sich bei Fahrschul- und Steuerexperte Jörg-Michael Satz für diesen Beitrag. Satz ist Präsident der MOVING International Road Safety Association e.V. und Mitglied der Geschäftsführung der ACADEMY Holding AG. Sein Leitsatz lautet: Fahrschulen, Verkehrssicherheit und professionelle Fahrausbildung sind drei Begriffe, die untrennbar miteinander verbunden sind.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.