Weg mit den unsinnigen Hindernissen!

Bernd Brenner, Geschäftsführer des DVPi in Frankfurt, gleichzeitig Vorsitzender der BAGFA e.V., der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten, setzt sich dafür ein, dass Fahrlehrer, die Pkw schulen, künftig keine Motorrad- und keine Lkw-Fahrerlaubnis als Voraussetzung für ihre Tätigkeit benötigen. 

mobilmacher: Herr Brenner, was stört Sie daran, dass Fahrlehrer eine umfangreiche Qualifikation mitbringen müssen, um den Beruf auszuüben?

Bernd Brenner_72dpiBernd Brenner: Fahrlehrer ist ein extrem verantwortungsvoller Beruf. Es geht um die Sicherheit auf Deutschlands Straßen. Darum brauchen wir Menschen, die pädagogisch top ausgebildet sind, darüber hinaus müssen sie beste charakterliche Voraussetzungen mitbringen. Was wir allerdings dringend vermeiden müssen: Dass wir Hürden aufstellen, die guten Nachwuchs daran hindern, sich für den Fahrlehrerberuf zu entscheiden. Vor allem dann, wenn diese Vorschriften fast nichts dazu beitragen, ihre fachliche Qualität zu erhöhen. Räumen wir diese Hindernisse aus dem Weg!

mobilmacher: Und die Führerscheine auf Lkw und Motorrad sind eine solche Hürde?

Bernd Brenner: In der Tat! Und keine niedrige. Die Ausbildung für die beiden Fahrerlaubnisklassen kostet häufig fast zwei Drittel der Ausbildung zum Fahrlehrer. Wenn man dann den Nutzen daraus betrachtet, steht dies in keinem Verhältnis. Das Geld wäre viel besser in eine moderate Verlängerung der Fahrlehrerausbildung investiert. Dort kann dann das vermittelt werden, auf was es in diesem Zusammenhang wirklich ankommt.

mobilmacher: Und das wäre?

Bernd Brenner: Der Fahrlehrer soll dem Fahrschüler das Verhalten gegenüber den Lkw- und Motorradfahrern aus der Perspektive des Pkw-Fahrers vermitteln. Dabei greift er auf Erfahrungen zurück, die er selbst als Pkw-Fahrer gemacht hat oder eben auf Erkenntnisse die er während der Fahrlehrerausbildung vermittelt bekommt.

mobilmacher: Befürworter argumentierten, nur was man selbst erlebt habe, könne man auch weitergeben.

Bernd Brenner: Dieses Argument ist falsch. Man kann und muss nicht alles selbst erlebt haben, um ein Thema gut unterrichten zu können. Es gibt viele Beispiele dafür. Eines davon ist das Thema Drogen. Mag sein, dass man mit eigenen Erfahrungen einen besseren Unterricht macht, aber zwingend erforderlich und erwünscht ist das sicherlich nicht.

Fahrlehrer, Beruf, Berufsstand, Zugangsvoraussetzungenmobilmacher: Kann es nicht trotzdem hilfreich sein, wenn der Fahrlehrer den Straßenverkehr aus einer anderen Sicht kennt, zum Beispiel aus der des Brummi-Fahrers und des Motorradfahrers?

Bernd Brenner: Hilfreich schon, aber deshalb gleich beide Führerscheine vorschreiben? Das schießt doch weit über das Ziel hinaus. Schauen Sie: Was andere Verkehrsteilnehmer im Verkehr betrifft, gibt es doch viel mehr: Busse, andere öffentliche Verkehrsmittel, Radfahrer, übergroße Laster, Fußgänger, Kinder, Senioren – das sind zumindest die Gruppen, die in einer Stelle der Fahrschüler-Ausbildungsordnung genannt sind. Doch auch das ist längst noch nicht alles. Pferde, Pedelecs, Quads, Trikes und Rollstühle gibt es ja auch noch. Man kann doch unmöglich von Fahrlehrern verlangen, dass sie selbst eigene Erfahrungen in und auf all diesen Beförderungsmitteln machen.

mobilmacher: Nun, wenn’s der Sicherheit dient.

Bernd Brenner: Genau das ist der Punkt. Wir sollten das tun, was wirklich der Sicherheit dient. Beispiel Kinder. Jeder unserer Fahrlehrer- Anwärter war mal selbst Kind. Nach der Logik hat er also Erfahrungen gesammelt, die er einbringen kann. Trotzdem sollten wir den Punkt „Andere Verkehrsteilnehmer“ und insbesondere Kinder in der Fahrlehrerausbildung stärken. Es gibt viel Neues in der Literatur und in wissenschaftlichen Studien. Diese Inhalte zum Kinderverhalten und der Gefahrenprävention sollten wir noch intensiver als bisher vermitteln. Stattdessen absolvieren unsere kommenden Kollegen recht überflüssige Fahrstunden auf dem Lkw.

mobilmacher: Trotzdem ist klassenübergreifendes Wissen wichtig, oder nicht?

Bernd Brenner: So ist es. Ein Fahrlehrer muss sehr genau wissen, dass ein Lastzug vor dem Rechtsabbiegen oft nach links ausscheren muss. Er muss wissen und weitergeben, dass man Motorradfahrer wegen der schmalen Silhouette oft sehr spät erkennt. Doch deshalb muss er nicht gleich den Lkw- und den Motorradführerschein haben. Darum fordere ich: Wir müssen die anstehende Novellierung des Fahrlehrergesetzes dazu nutzen, diese Hürden abzuschaffen.

mobilmacher: Was versprechen Sie sich davon?

Bernd Brenner: Wer sein Ohr dicht an den Fahrschulen hat, weiß, dass viele im Moment neue Kräfte suchen. Und zwar händeringend. Die Zahl der offenen Stellen ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Und weil Fahrlehrer ein anspruchsvoller Beruf ist, müssen wir versuchen, die besten Interessenten für unseren Berufsstand zu gewinnen. Davon hängt die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen ab, und damit unser aller Zukunft. Wenn wir aber talentierte und geeignete Interessenten mit unsinnigen und teuren Zugangshürden abschrecken, setzen wir die Qualität der Fahrausbildung letztlich sogar herab.

mobilmacher: Wie stehen die Chancen für eine Abschaffung der Zugangsvorausetzung CE und A2?

Bernd Brenner: In diesem Punkt bin ich guter Hoffnung. Diese Hürden stammen aus einer Zeit, in der die Fahrschule vorwiegend technisch orientiert war. Diese Zeit haben wir schon ein halbes Jahrhundert hinter uns. Nach den ersten Signalen, die ich aus den politischen Kreisen des Verkehrsministeriums wahrgenommen habe, stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass wir in naher Zukunft einen Wegfall der unsinnigen Zugangsvoraussetzungen sehen werden.

mobilmacher: Sind Sie als Vorsitzender der BAGFA, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten, an diesem Prozess beteiligt?

Bernd Brenner: An der direkten Entscheidung natürlich nicht. Aber mein Eindruck ist, dass die Experten im Bundesverkehrsministerium, die an der Gesetzesnovelle arbeiten, unsere Meinung mit Interesse zur Kenntnis nehmen. Darum bleibe ich in diesem Punkt optimistisch. In manchen Punkten ist es überfällig, dass die Veränderungen am Fahrlehrergesetz in die Praxis umgesetzt werden. Wenn das nun in den nächsten Jahren passiert, sollte das so geschehen, dass wir die Qualität der Fahrlehrerausbildung auf dieser Grundlage verbessern können. Dafür werde ich mich als Vorsitzender der BAGFA e.V. auch weiterhin stark machen.

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