„Fahrerassistenzsysteme auf dem Vormarsch“

Karsten Löwenberg berät Automobilunternehmen und ist hautnah dabei, wenn die Zukunft der individuellen Mobilität entworfen wird. Sein Blick in die Kristallkugel sorgte auf dem MOVING Experten-Forum für jede Menge Gesprächsstoff.

Wohin steuert eigentlich die Entwicklung des Automobils? Wenn jemand die Frage beantworten kann, dann Karsten Löwenberg, der mit seinem Unternehmen Consulting4Drive vielen Automobilunternehmen mit Strategie- und Prozessberatung zur Seite steht.

Auf dem MOVING Experten-Forum hatte er jede Menge gute Nachrichten für die Fahrlehrer parat. So konnte er zum Beispiel diejenigen beruhigen, die von vollautomatisch fahrenden Autos fantasieren, die man in Kürze auf den Straßen sehen werde. „So zügig wird das Auto nicht von alleine fahren, zumindest nicht so schnell, wie es manche Autobauer prophezeien“, stellte er ruhig fest. Löwenberg präsentierte ein sechsstufiges Modell, das den Automatisierungsgrad des Fahrens spiegelte. Vor fünfzig Jahren sei man noch klassisch gefahren, habe man Bremse, Kupplung, Lenkrad und alles andere ohne weitere Hilfe bedient. Diesen Zustand bezeichnet er als Stufe 1. „Heute befinden wir uns in diesem Modell des automatischen Fahrens zwischen Stufe 3 mit dem Sprung zum hochautomatischen Fahren der Stufe 4“, definiert Löwenberg den aktuellen Stand der Technik. „Wir nutzen unterstützende Funktionen und lassen uns von bestimmten Systemen wie Tempomat, Abstandskontrolle und Spur-Assistent helfen, wenn wir es wünschen.“ Doch bis zur Stufe 6, dem fahrerlosen Fahren, das vollautomatisch abläuft, sei es noch ein weiter Weg, stellte Löwenberg fest.

Dass die Zukunft der Fahrschulen trotzdem spannend werde, das konnte man seinen detaillierten Ausführungen zu den Fahrer-Assistenzsystemen entnehmen. In Lkws und manchen Fahrzeugen der Oberklasse seien bereits heute hochentwickelte Systeme verbaut, die dem Fahrer vieles abnehmen. Hier könne man schon davon sprechen, dass man am Steuer nicht mehr selbst fahren, sondern vor allem kontrollieren müsse, was die Fahrzeug-Assistenten dem Fahrer abnehmen. Löwenberg führte weiter aus: Pedalarbeit, Lenken oder Parkplatzsuche würden aus Sicht des Fahrers zunehmend unwichtiger. Diesen klassischen Tätigkeiten setzte Löwenberg andere Bedürfnisse entgegen: beispielsweise „Arbeit“, „soziale Interaktion“ und „Entspannung“. „Die Wünsche der Fahrer von morgen werden sich rasch verändern“, prophezeite der Experte – und die technologische Entwicklung sei dazu geeignet, diese Wünsche zu erfüllen. In diesem Zusammenhang war Löwenbergs Wortwahl durchaus bezeichnend: Oft sprach er vom „Nutzer“ statt vom „Fahrer“. Computer halten Einzug ins Fahrzeug, und mit ihnen die Sprache.

VERNETZUNG ALS KRITISCHER PUNKT

Löwenberg schränkte allerdings ein: „Auf dem Weg zum vollautomatischen Fahren steht ein Hindernis, das extrem hoch gebaut sei: die Vernetzung aller Fahrzeuge. Sie sei notwendig, damit jeder Verkehrsteilnehmer von allen anderen die Position kennen würde. „Eine Frage der Infrastruktur“, sagte Mobilitätsexperte. Bis alle Fahrzeuge aber miteinander so kommunizieren könnten, dass man überhaupt an automatisches Fahren denken könne, würde noch manches Experten-Forum ins Land gehen, davon ist Löwenberg überzeugt. Die Fahrlehrer unter seinen Zuhörern hörten die Botschaften gerne. Der Blick in die technologische Zukunft des Fahrens war für die Fahrlehrer nicht nur hochinteressant, sondern mit zahlreichen weiteren Perspektiven verbunden. Viele Zuhörer erkannten den Schulungsbedarf der Zukunft. Sie bemerkten jedoch ebenfalls, wie anspruchsvoll die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten in den nächsten Jahrzehnten wird.

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