Weinhandlung und Fahrschule – wie geht das bitte, Herr Wittwer?

Weinhandlung und Fahrschule in einem. Das gibt’s in Deutschland nur einmal und zwar im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain bei der Fahrschule Murmel. Andreas Wittwer hat sich mit dieser ungewöhnlichen Kombination einen Namen gemacht. Warum zusammen passt, was auf den ersten Blick nicht zusammen gehören scheint, hat er dem mobilmacher verraten.

mobilmacher: Weinhandlung und Fahrschule – was haben Sie sich dabei gedacht?

Andreas Wittwer: Als wir die Fahrschule im Jahr 2003 in der Grünberger Straße eröffnet haben, war klar, dass wir noch ein paar Quadratmeter übrig haben. Das habe ich zum Anlass genommen, ein weiteres Hobby zum Beruf zu machen: meine Leidenschaft für Wein. So wie wir keine gewöhnliche Fahrschule sind, sind wir auch keine gewöhnliche Weinhandlung. Beim Wein haben wir uns auf Geheimtipps spezialisiert. Bei uns findet man kleine Winzer, die nicht auf Menge gehen, vielleicht auch weniger bekannt sind, aber sehr gute Qualität produzieren.

Hatten Sie Probleme bei der Genehmigung?

Eigentlich nicht. Die Kombination ist zwar außergewöhnlich, aber gleichzeitig so sympathisch, dass uns niemand Steine in den Weg gelegt hat. Die Aufsichtsbehörde beim Senat für Verkehr und Betriebe hat uns lediglich geraten, mit dieser Kombination „vorsichtig“ umzugehen. Aber das ist ja selbstverständlich.

Wie sieht er denn aus, dieser „vorsichtige“ Umgang?

Wir bedienen nur Leute, die Wein als Genussmittel verstehen. Darauf legen wir großen Wert. Bei uns wird man niemand sehen, der sich nur berauschen will. Das gibt’s bei uns nicht. Diese Leute weisen wir freundlich darauf hin, dass es dafür andere Kneipen in unserem Viertel gibt.

Profitiert die Fahrschule von der Weinhandlung – oder andersrum?

Von den Pubs, Gaststätten und Kunden, denen wir Wein liefern, kommen Kunden oder deren Nachwuchs auch in die Fahrschule. Die besondere Kombination der Geschäfte hat sich in unserem Viertel herumgesprochen. Es gibt viele, die das einfach „geil“ finden: Fahrschule und Weinhandlung. Wir werden manchmal zu Ausstellungen oder kleinen Verköstigungen gebucht. Von Autohäusern zum Beispiel. Dort stehen wir dann bei Veranstaltungen in unserer schönen Fahrschulkleidung mit der Aufschrift Fahrschule Murmel und schenken Wein aus. Da kommt man schnell ins Gespräch – und bleibt bei den Menschen im Gedächtnis. Das zieht!

Fahrschule Murmel / Ausfahrt / Motorrad / Weinhandlung
Die Crew der Fahrschule Murmel auf Ausfahrt

Ein Erfolgsrezept?

Wenn man beide Berufe mit Leidenschaft macht: auf jeden Fall. Weinhandlung und Fahrschule bestehen jetzt schon seit 2003. Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob es passt. Es hätte auch in die Hose gehen können. Aber nach mehr als zehn Jahren kann man feststellen: Die Kombination geht auf.

Würden Sie die Weinhandlung auch als „zweites Standbein“ bezeichnen – oder als erstes?

Zweites Standbein stimmt schon. Mit der Fahrschule bestreite ich etwa 75% des Einkommens. Es gab ja eine Zeit, da musste man kämpfen als Fahrschule. Mittlerweile ist es hier in Berlin wieder besser. Unser Markt ist gewiss überaltert. Doch inzwischen sind manche Wettbewerber bereits in Rente. Das kommt denen zugute, die noch da sind. Trotzdem müssen wir uns anstrengen. Es kommen große Veränderungen auf Fahrschulen zu. Da müssen wir mitziehen.

Noch eine letzte Frage zu Ihren Weinen. Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Wir vertrauen den guten Tipps von Zwischenhändlern. Natürlich nur nach eigener Verköstigung! Manchmal nehmen wir die Weingüter selbst in Augenschein. Wir haben schon oft Motorradausfahrten mit dem Besuch von Winzern kombiniert. Natürlich immer mit Übernachtung dort. Das sind immer schöne Ausfahrten, die richtig Spaß machen.

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