“Es hätte mehr sein dürfen.“

Rolf Dautel-Haußmann zur Reform des Fahrlehrergesetzes

Das neue Fahrlehrerrecht nimmt konkrete Formen an. Im Gesetzgebungsprozess war Rolf Dautel-Haußmann von der vpa Verkehrsfachschule in Kirchheim/Teck immer dann beteiligt, wenn es um fachliche Details ging. Als Mitglied des erweiterten Vorstandes von BAGFA und BDFU war er wichtiger Ansprechpartner für das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI). 

mobilmacher: Man hat viel und lange diskutiert. Nicht nur in Berlin, sondern in unserer gesamten Branche. Wie beurteilen Sie das Ergebnis, welches sich jetzt abzeichnet?

Rolf Dautel-Haußmann: Viele Punkte, die jetzt im Gesetzentwurf stehen, waren ja schon bekannt, zum Beispiel der Wegfall der Zugangsvoraussetzungen A2/CE. Es ist sicherlich gut, dass wir daran nun einen Haken machen dürfen. Trotzdem muss man sagen: Auf der Zielgerade haben offenbar Leute aus der Praxis gefehlt. Die Fachkenntnis des Parlaments scheint mir in manchen Punkten nicht ausreichend gewesen zu sein. Im Schwäbischen sagt man bei solchen Gelegenheiten sinngemäß: ‚Es war gut und viel. Aber es hätte besser und mehr sein dürfen.‘ “

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Rolf Dautel-Haußmann von der vpa Kirchheim war als Experte am Gesetzgebungsprozess beteiligt

mobilmacher: Welche Punkte meinen Sie damit?

Rolf Dautel-Haußmann: Allen voran, dass die 495-Minuten-Regel am Ende eben doch wieder im Gesetz aufgetaucht ist. Das widerspricht den ursprünglichen Zielen. Es ist bedauerlich, dass man so wenig Vertrauen in die Seriosität des Berufsstandes setzt. Wir wollten weniger Bürokratie und finanzielle Entlastung. Nun droht die Rückkehr des Tagesnachweises. Und damit könnte auch im Überwachungsbereich alles beim Alten bleiben.“

mobilmacher: Was bedeutet es für Sie als Fahrlehrer-Ausbildungsstätte, wenn nun die Möglichkeit besteht, den Fahrlehrerberuf in Teilzeit zu erlernen?

Rolf Dautel-Haußmann: In diesem Punkt sollte man vorsichtig sein. Zunächst sei betont, dass es für alle Seiten praktisch erscheint, wenn man die Fahrlehrerausbildung für die Klassen CE und DE berufsbegleitend machen kann. Das wird den Fahrschulen helfen, wenn ihre Mitarbeiter keinen ganzen Monat aus dem Betrieb herausgerissen werden. Bei der Möglichkeit zur Teilzeitausbildung für Fahrlehrer Klasse A und B bleibe ich skeptisch. Das wären 1000 Unterrichtseinheiten, respektive 8 Monate Vollzeit-Lehrgang, die man jetzt auf ein Teilzeitangebot strecken müsste. Anders ausgedrückt: Über drei Jahre hinweg jeder Freitag und jeder Samstag. Ich bin mir nicht sicher, ob das sinnvoll und zumutbar ist. Außerdem würden bei der Ausbildung in Teilzeit viele Förderungsmöglichkeiten wegfallen. Nur das Aufstiegs-BAföG würde noch übrig bleiben. Ich bezweifle, dass das Gesamtpaket der Ausbildung unter diesen Bedingungen für Interessenten attraktiv ist.

mobilmacher: Trotzdem… Wäre die Teilzeitausbildung nicht auch eine Herausforderung für Fahrlehrer-Ausbildungsstätten?

Rolf Dautel-Haußmann: Ja, durchaus. Sicherlich werden wir das neue Gesetz darauf abklopfen, welche Chancen für uns entstehen könnten und gegebenenfalls über neue Angebote nachdenken.

mobilmacher: Wird ihre Kundschaft jetzt jünger?

Rolf Dautel-Haußmann: Nicht unbedingt. Gewiß hat man das Mindestalter auf 21 Jahre gesenkt. Aber das wird sich nicht signifikant auswirken. Kindern aus Fahrlehrerfamilien wird es jedoch nützen. Sie können gleich nach dem Abitur mit der Fahrlehrer-Ausbildung beginnen. Aber ansonsten gilt: Der Fahrlehrer wird weiterhin ein klassischer Umsteigerberuf bleiben – für Menschen, die aus persönlichen, gesundheitlichen oder motivationalen Gründen, den Beruf wechseln wollen, bietet sich unser Beruf an. Auch für Berufskraftfahrer kann es ein persönlicher Aufstieg sein. Man hat eben intensiv mit Menschen zu tun. Das macht es spannend.

mobilmacher: Die Reform schreibt einen mittleren Bildungsabschluss als Voraussetzung vor. Was halten Sie davon?

Rolf Dautel-Haußmann: Auch das ist ein Punkt, den ich mir konkreter gewünscht hätte. Was genau ein mittlerer Bildungsabschluss ist, darüber besteht in unserem föderalen System nicht gerade Einigkeit. Es könnte die Situation entstehen, dass Interessenten einfach das Bundesland wechseln, weil ihr bisheriger Abschluss im einen Land reicht, in dem anderen aber nicht.

mobilmacher: Für die Fahrschulen besteht nun die Möglichkeit zur Kooperation. Aus Ihrer Sicht eine gute Sache?

Rolf Dautel-Haußmann: Jawohl. Es wird möglicherweise eine gewisse Anlaufzeit benötigen, aber dann wird man an manchen Standorten die Chance erkennen, die in Kooperation beziehungsweise Spezialisierung schlummert. Sich als Fahrschule auf bestimmte Angebote zu konzentrieren, wird jetzt eine Option, weil auf der anderen Seite gewisse Ausbildungskontingente an Kooperationspartner weiter gegeben werden können. Auch die Möglichkeit, dass sich unterschiedlich spezialisierte Fahrlehrer in einer Gesellschaft Bürgerlichen Rechts zusammen tun, um ihre Expertisen zu ergänzen, sehe ich positiv. Auch so können wettbewerbstüchtige Fahrschulen entstehen, die hohe Ausbildungsqualität anbieten.

mobilmacher: Auf den letzten Metern der Reform wurde die Wegfall der Betriebsstellenbegrenzung gekippt. Jetzt sind es maximal zehn. Was sagen Sie dazu?

Rolf Dautel-Haußmann: Zehn Betriebsstellen sind eine absolut willkürliche Zahl. Warum nicht acht? Oder elf? Natürlich geht es hier um eine Kapazitätsgrenze. Aber die Zahl der Betriebsstellen ist dafür nach meiner Auffassung nicht maßgeblich. Über die Zahl der Mitarbeiter hätte man das deutlich angemessener regeln können. Denn schlussendlich will man damit die Ausbildungsqualität hoch halten. Die Zahl der Betriebsstellen ist hier eigentlich irrelevant. Wenn man sich für ein Modell mit pädagogischen Leitern für jede Betriebsstelle entschieden hätte, das wäre aus meiner Sicht der Königsweg gewesen. So hatten wir es vom BDFU vorgeschlagen. Aber da wollte man uns in Berlin leider nicht folgen.

mobilmacher: Wie wird sich die Reform auf den Fahrschulmarkt auswirken?

Rolf Dautel-Haußmann: Das ist schwierig vorherzusagen. Sicherlich eröffnen sich ab 1.1.2018 neue Chancen für die Fahrschulen, sich zu verändern. Die Reform betrachte ich als Einstieg in die Veränderung der Fahrlehrerwelt. Es heißt ja so schön: „Nach der Reform ist vor der Reform“. Jetzt ist ein Anfang gemacht. Ich denke, auf die Nachbesserungen und weiteren Veränderungen müssen wir nicht mehr so lange warten wie beim letzten Mal. Da waren es mehr als 15 Jahre.

Die Fragen stellte Bernd Sautter

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