Pädagogische Überwachung – wie geht das?

Das neue FahrlG hat es vorgegeben: Die Behörden sollen Fahrschulen nicht nur formal, sondern auch bezüglich ihrer pädagogischen Qualität überwachen. In Baden-Württemberg wurde das so geregelt, dass die Fahrschulen profitieren.

Konstruktiv, partnerschaftlich, kollegial – so funktioniert die neue Form der Fahrschulüberwachung in Baden-Württemberg. Das Verkehrsministerium des Landes hat eng mit dem Treuhandverein für Verkehrserziehung und Verkehrssicherheit e.V. zusammen gearbeitet. Vom Verein kommen auch die Überwacher selbst. Es handelt sich dabei um Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die speziell für diese Aufgabe vom Treuhandverein und den darin organisierten Unternehmen und Verbänden ausgebildet wurden.

Überwachung auf Augenhöhe

Rolf Dautel-Haußmann von der vpa Verkehrsfachschule Kirchheim unter Teck war an der Neugestaltung der Fahrschulüberwachung im Südwesten beteiligt. Er betont: „Es gab und gibt keine Zweifel an der Ausbildungsqualität. Es geht vor allem darum zu dokumentieren: Wir kümmern uns um die Qualität – und die Fahrschulen liefern sie täglich.“ Darum hat man die Überwacher explizit aufgefordert, ihre Tätigkeit im kollegialen Dialog zu erledigen. Sie sollen konstruktive Hinweise geben auf Dinge, die noch verbessert werden können. Es geht also keinesfalls um Sanktionen. Im Vordergrund stehen praktische und fachliche Hilfestellungen.

Auch die Dauer der Überwachung scheint maßvoll. Statt wie zuvor bis zu eineinhalb Tage in eine Formalüberwachung zu investieren, dauert der gesamte Vorgang nur noch etwa drei Stunden, inklusive des pädagogischen Teils. Vorausgesetzt, der theoretische Unterricht beginnt um 19 Uhr, wird der Überwacher gegen 17.30 Uhr in der Fahrschule erscheinen. Der formale Teil sollte in einer Stunde erledigt sein. Der Fahrlehrer kann sich also Zeit nehmen für seine Vorbereitung auf den Unterricht. Danach wird die Beobachtung der Theoriestunde mit einem Feedbackgespräch abgeschlossen. Der Überwacher wird im Regelfall die Fahrschule gegen 20.30 Uhr verlassen. 

Weniger formal, mehr pädagogisch

„Niemand wird mehr Kleiderhaken zählen,“ sagt Rolf Dautel-Haußmann. Will sagen: Der formale Check wurde erheblich eingedampft. Die Veränderung ist grundlegend. Auch die zeitintensive Sichtung der Betriebsstellen wurde gestrichen. Sie wird nur noch durchgeführt, wenn das verantwortliche Landratsamt dieses aufgrund besonderer Umstände ausdrücklich anordnet. 

Auch das, was zuvor von manchen Kollegen kritisch beäugt wurde, wurde konstruktiv gestaltet: die neue pädagogische Überwachung. Ein transparenter Kriterienkatalog dient den Überwachern als Leitfaden. Darin sind unter anderem festgehalten: eine klare Strukturierung des Unterrichts, wertschätzende Reaktion auf Schülerbeiträge, ein angemessenes Unterrichtstempo und ein zielgerichteter Medieneinsatz. Auf diese Punkte beobachten die Kollegen den Unterricht und geben danach ein konstruktives Feedback. Schon nach wenigen Wochen zeigte sich: Es wird viel gelobt und oft bestätigt. Ein Punkt, der allerdings häufig im Feedbackgespräch erwähnt wurde, ist die geforderte Verzahnung zwischen Theorie und Praxis. Hier sollen durch die Überwachung zusätzliche Impulse gegeben werden.

Doch Rolf Dautel-Haußmann beruhigt: „Wer seinen Unterricht gewissenhaft vorbereitet, wird keine Probleme bei der Überwachung bekommen, das ist sicher.“ Dagegen betont der Chef der vpa Verkehrsfachschule: „Ich habe in den letzten Monaten mit großer Zufriedenheit festgestellt, wie die neue Form der Überwachung dazu beigetragen hat, dass sich die Kolleginnen und Kollegen wieder mehr Gedanken über ihren Unterricht machen. Das zeigt deutlich: Der Berufstand ist leistungsfähig und stellt sich seinen Herausforderungen.“

Andere Länder, andere Sitten

Ob sich andere Bundesländer an den Erfahrungen orientieren, die jetzt in Baden-Württemberg gemacht werden, darüber kann nur spekuliert werden. Während aus Bayern bekannt ist, dass zumindest die Formalüberwachung bereits präzise geregelt ist, stehen andere Landesministerien mit ihren Vorgehensweisen noch am Anfang. Vom Baden-Württembergischen Weg ist Rolf Dautel-Haußmann überzeugt: „Das ist eine sinnvolle Geschichte geworden: maßvoll, überschaubar und transparent.“

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