Die Fahrlehrer von morgen

Vor Jahresfrist wurde das Fahrlehrergesetz reformiert. Um die Zukunft des Berufsstandes zu ergründen, hat der mobilmacher mit Rolf Dautel-Haußmann von der vpa Verkehrsfachschule Kirchheim/Teck gesprochen.

Herr Dautel-Haußmann, in Ihrer Ausbildungsstätte lernen die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer von morgen. Wie wird sich unser Berufsstand verändern?

„Der durchschnittliche Fahrlehrer wird jünger, weiblicher und besser gebildet sein. In so fern kann man sagen: Die Neufassung der Zugangsvoraussetzungen war grundsätzlich richtig. Seit einem Jahr gewinnen wir verstärkt interessante Leute. Wir bekommen mehr Abiturienten, mehr Studienpausierer, teilweise sogar mit Bachelor und – allgemein gesprochen – mehr Leute aus dem pädagogischen Bereich. Ohne die Reform hätten wir diese Personen nicht für unseren Beruf gewinnen können.“

Sie bezeichnen die Reform als grundsätzlich richtig. Meinen Sie damit auch, dass Sie nicht in allen Punkten einverstanden sind? 

„Die Zugangsschwelle herunterzusetzen, also A2 und CE nicht mehr zu verlangen, war ein wichtiger Schritt. Beim Alter war ich schon immer skeptisch. Dabei geht es mir nicht direkt um das Alter selbst, sondern um die Fahrerfahrung, die damit verbunden ist. Nach meinem Dafürhalten ist sie mit 21 Jahren noch nicht in ausreichendem Maße vorhanden. „Sicher und gewandt“ soll sie sein. Mit 21 Jahren kann das nicht der Fall sein. Und Fahrerfahrung ist leider durch nichts zu ersetzen – außer durch Fahrerfahrung.“

Auch die Struktur der Ausbildung hat sich verändert. Bewährt sich das in der Praxis? 

„Ja, das kann man sagen. Der vorangestellte Orientierungsmonat hilft allerdings nur in einzelnen Fällen. Als großen Gewinn betrachte ich die Hospitation in der Fahrschule in der Mitte des Lehrgangs. Der Abgleich mit der Praxis hilft den Anwärterinnen und Anwärtern, auch wenn in einzelnen Fällen eine Lücke klafft zwischen dem, was wir im Lehrgang beibringen und dem, wie es in den Fahrschulen gehandhabt wird. Aber das war ja vor der Reform auch der Fall. 

Wie kommen Sie als Fahrlehrerausbildungsstätte mit der Reform zurecht? 

„Die Reform hat ein Phänomen verschärft, das die Fahrschulen selbst gut kennen: die Uneinheitlichkeit der Kursteilnehmer. Inzwischen haben wir zwei deutlich unterschiedliche Gruppen von Menschen mit verschiedenen Sprach- und Ausgangsniveaus in unseren Kursen. Durch die Reform ist die Schere weiter aufgegangen. Aber damit müssen wir leben.“

Vom ersten Tag an diskutierte die Branche über die Reform der Reform. Wo sehen Sie persönlich Handlungsbedarf?

„Zwei Dinge will ich nennen: Erstens benötigen wir eine neue Fassung der Fahrschülerausbildungsordnung. Dort müssen die Qualitätskriterien für den Unterricht klarer dargestellt werden, den Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer halten. Das muss nicht ausführlicher werden, aber konkreter. Zweitens plädiere ich für ein Stufenmodell bei der Fahrlehrerqualifikation. Das hat überhaupt nichts mit Fahrlehrern erster und zweiter Ordnung zu tun. Aber eben damit, dass es ein Unterschied ist, ob ich Fahrschülern das Fahren beibringe oder ob ich für die pädagogische Qualität in den Fahrschulbetrieben verantwortlich bin. Hier benötigen wir Zusatzqualifikationen. Diese wären darüber hinaus hilfreich, um endlich ein vernünftiges Karrieremodell für den Berufsstand zu entwicklen.“

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