Machen Kinder, die heute geboren werden, noch den Führerschein?

Prof. Dr. Marianne Reeb ist Zukunftsforscherin der Daimler AG. Im Mercedes me Magazin beantwortet sie eine Frage, die für Fahrschulen höchste Relevanz besitzt.

Sagen Sie Frau Dr. Reeb, machen Kinder, die heute geboren werden, noch den Führerschein?

„Unbedingt, da bin ich mir ganz sicher. Gerade im Zeitalter des autonomen Fahrens wird der Führerschein weiterhin sinnvoll sein. Allerdings wird man in der Fahrschule der Zukunft ganz andere Kompetenzen lernen als heute.

Denn wenn das autonome Fahren Alltag ist, werden wir in Wahrheit mit großen fahrbaren Robotern umzugehen haben, mit intelligenten Maschinen. Dabei wollen wir Menschen natürlich weiterhin die Kontrolle haben – und müssen sie auch haben. Denn auch noch in 20 Jahren wird nicht auf jeder Strecke und nicht bei jedem Wetter das autonome Fahren zu 100 Prozent funktionieren. Jederzeit müssen wir also in der Lage sein, die Verantwortung am Steuer zu übernehmen. Wobei sich die Ausbildung darauf einstellen muss, dass die Fahrer von morgen ungeübter als heutige Fahrer sein werden.

Prof. Dr. Marianne Reeb,
Zukunftsforscherin der Daimler AG

Die intelligente fahrende Maschine unterstützt uns künftig zwar in vielen Dingen, sie kann etwa extrem schnell extrem viele Daten verarbeiten und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen treffen. Eine wesentliche Frage für uns wird aber sein: Wie bringe ich die Maschine dazu, das zu tun, was ich will? Dazu muss ich erst einmal lernen, was sie grundsätzlich alles kann und welche Möglichkeiten sie hat. Zum Beispiel kann ich ihr sagen: „Montags früh, wenn ich zur Arbeit fahre, fährst du ein bisschen langsamer, da bin ich noch nicht ganz wach.“

Wir müssen also lernen, mit der Maschine zu kommunizieren. Wenn heute mein dreijähriger Neffe zum virtuellen Assistenten von Amazon sagt: „Alexa, mach bitte das Licht an“, reagiert Alexa nicht, weil die künstliche Intelligenz bitte nicht versteht. Diese Logik gilt es zunächst mal zu verstehen.

Das Auto der Zukunft wird zudem Dinge können, von denen wir noch nicht einmal etwas ahnen. Denken wir nur daran, wie Smartphones unseren Alltag verändert haben. Ich kann sie konfigurieren, die Funktionen mit Apps erweitern und so mein Leben auf neue Art bereichern. Für uns Autohersteller dürfte das bedeuten, dass wir nicht mehr ab Werk alles vorgeben, sondern den Menschen viele Freiheiten lassen. Und wer weiß schon, wer die besten Ideen hat? Unsere Kunden werden die Hardware ausreizen, die wir gebaut haben. Ich mag diese Vorstellung.

Und so oder so wird eines immer bestehen bleiben: der Spaß am Fahren. Auch die Erwachsenen von morgen werden ab und zu einfach auch mal selbst Gas geben wollen.

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