Fahrschule: Auslaufmodell oder Service-Agentur?

Auf dem Fahrschulforum am Schwielowsee diskutieren Experten aus Gesellschaft, Politik, Verkehr und Bildung über die Fahrschule von morgen. Einhelliges Ergebnis: Auf Sicht wird eher mehr als weniger Fahrausbildung benötigt.

Die Anzahl der Fahrschulen in Deutschland sinkt seit 2011 kontinuierlich. Der Beruf des Fahrlehrers wird von immer weniger Personen ausgeübt. Hinzu kommen die Digitalisierung, die Elektromobilität, die Urbanisierung und das autonome Fahren, was die Branche vor neue Herausforderungen stellt . „Wir stehen vor einer Verkehrswende, Fahrlehrer sind wichtiger denn je zuvor, denn sie müssen unsere Gesellschaft auf die neuen Technologien und Mobilitätsmodelle von morgen vorbereiten“, so Jörg-Michael Satz, Präsident von MOVING, der Road Safety Association e.V.. Von Fahrassistenzsystemen und Elektromobilität bis hin zu teilautomatisierten Fahrzeugen – das alles erfordert eine ständige Wissensvermittlung, um die Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen auch in der Zukunft zu sichern. MOVING unterstützt Fahrschulen dabei, sich auf diese Herausforderungen vorzubereiten. Der Verband lud zum ersten deutschen Fahrschulforum am Schwielowsee ein, um sich mit den Stakeholdern der Branche und Experten aus Gesellschaft, Politik, Verkehr und Bildung über Perspektiven und mögliche Geschäftsmodelle der Zukunft auszutauschen.

Die Automobilität der Zukunft wird völlig anders aussehen – die Gesellschaft braucht Fahrlehrer als Mobilitätsberater

„Wir erleben gerade einen technischen und ökologischen Transformationsprozess. Wir werden gezwungen sein, einen emotionalen und geistigen Perspektivenwechsel vorzunehmen. Denn die Automobilität, wie wir sie heute kennen, wird es in Zukunft nicht mehr geben,“ bestätigte auch Prof. Dr. Rammler, Direktor des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin. Er, wie viele der anderen Experten auf dem Forum auch, sehen in dieser Veränderung eine große Chance für die Fahrschul-Branche. Vor allem der Umgang mit teilautomatisierten Fahrzeugen stelle unsere Gesellschaft vor ganz neue Herausforderungen: „Denn der Mensch muss darauf vorbereitet sein, einzugreifen, wenn es die Automatik nicht mehr schafft“, so Prof. Dr. Hackenfort, Leiter der Fachgruppe Verkehrs-, Sicherheits- und Umweltpsychologie an der ZHAW Zürich. „Das wird eine wichtige Aufgabe von Fahrschulen sein, wir werden sie zukünftig mehr denn je zuvor brauchen“, resümiert Jörg-Michael Satz von MOVING.

Präsenzunterricht in Fahrschulen auch in Zukunft unverzichtbar

Auch die großen Meta-Trends wie die Digitalisierung haben enormen Einfluss auf die Fahrausbildung. Blended-learning Einheiten und Fahrsimulatoren halten Einzug und ermöglichen eine, für den Fahrschüler kostenneutrale Lernzeitverlängerung und Effizienzsteigerung der Fahrausbildung. „Sie werden aber niemals den Präsenzunterricht ablösen“, betonte Renate Bartelt-Lehrfeld, Leiterin des Referats Fahrerlaubnisrecht des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, die Bedeutung der Ausbildung vor Ort in den Fahrschulen. Dennoch seien sie eine sinnvolle Begleitung in der Fahrausbildung und können Fahrschüler risikofrei auf potentielle Gefahrensituationen im Verkehr vorbereiten.

Fahrschulen as a Service

Die Experten und Gäste des Fahrschulforums waren sich einig: Die Fahrschulen in Deutschland müssen sich frühzeitig auf die sich verändernde Mobilität einstellen und ihre Geschäftsmodelle danach ausrichten. Der Bedarf von Fahrschülern verschiedener Altersklassen, sich auf neue Technologien vorzubereiten, aber auch, sich in einer neuen Verkehrswelt zurecht zu finden und sicher zu bewegen, wird steigen. „Für die Fahrschulen eröffnen sich dadurch völlig neue Chancen, sie müssen ihre Rolle neu definieren: Wir brauchen Fahrschulen as a Service, die individuelle Angebote entwickeln, um Menschen mit unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen auf dem Weg in die Mobilität von morgen zu begleiten“, resümiert Satz.

Fahrausbildung auf Automatik-Fahrzeugen wird zunehmen

Auf dem Forum wurden jedoch nicht nur mögliche Perspektiven diskutiert, sondern von Seiten der Politik ein erster wichtiger Meilenstein gesetzt: Das BMVI stellte den Fahrschulen eine neue Regelung noch bis Ende 2019 in Aussicht, mit der die Automatik-Beschränkung bei der Fahrprüfung abgeschafft werden solle. „Dafür haben wir lange gekämpft, denn jetzt können Fahrschulen endlich vermehrt auf modernen Automatik- oder Elektro-Fahrzeugen ausbilden und trotzdem einen Führerschein ausstellen, der auch zum Bedienen von Schaltgetriebe-Fahrzeugen berechtigt. Zudem führt die Neuregelung zu stressfreieren ersten Fahrstunden für die Schüler und potentiellen Einspareffekten in der Fahrausbildung,“ so Jörg-Michael Satz von MOVING.

Text: Pressemeldung der MOVING

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