Jede dritte Fahrschule vor Insolvenz

Corona Beschränkungen für Fahrschulen gefährden tausende Arbeitsplätze in systemrelevanter Branche. Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands MOVING e.V. gaben 30 Prozent der befragten Fahrschulen an, dass die staatlichen Maßnahmen nicht ausreichen werden, um nach dem Corona-Lockdown ihr Geschäft zu erhalten. 

In Deutschland gibt es aktuell rund 10.000 Fahrschulen. Durch die Corona Beschränkungen werden vermutlich über 3.000 Fahrschulen endgültig schließen müssen, wenn der Lockdown das Geschäft noch länger stillstehen lässt. 

Mehr als 200.000 Fahrschüler können ihre Ausbildung nicht abschließen. Darunter befinden sich rund 10.000 Fahrer in der Ausbildung zum LKW-Führerschein. Sie werden dringend in systemrelevanten Berufen der Logistik, der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks gebraucht. 

Berufskraftfahrer-Mangel: Fahrschüler müssen dringend Ausbildungen abschließen 

 „Die Fahrschulen brauchen kurzfristig eine zeitliche Perspektive, um Arbeitsplätze in einem systemrelevanten Beruf zu erhalten und um unter anderem die dringend notwendigen Berufskraftfahrer-Ausbildungen möglich zu machen. Zudem ist für viele Menschen der Führerschein-Erwerb eine wichtige Voraussetzung, um ihren Beruf ausüben zu können“, betont der Präsident Jörg-Michael Satz von der MOVING International Road Safety Association e.V.. „Auch glaube ich, dass der Individualverkehr in den Städten zunehmen wird. Denn viele Menschen werden lange Zeit den öffentlichen Nahverkehr meiden, aus Angst, sich bei anderen Fahrgästen anzustecken. Dadurch werden wieder mehr Menschen einen Führerschein brauchen“, so der Branchenexperte. 

Fahrschulen sind bereit – die notwendigen Schutzmaßnahmen sind in Arbeit 

Eine Empfehlung der Fahrschulbranche für eine Exit-Strategie mit strengen Schutzmaßnahmen für Fahrlehrer und -schüler liegt der Politik bereits vor. „Die Fahrschulen müssen dringend darüber informiert werden, wann und wie es für sie weitergeht. Viele Fahrschulen haben sich schon auf die notwendigen Schutzmaßnahmen vorbereitet“, bestätigt Satz. So gaben auch 53 Prozent der Befragten der MOVING Umfrage an, dass sie nach der Krise besondere Maßnahmen planen, wie das Tragen von Mund- und Nasenschutz bis hin zum Einrichten von Schutzwänden und Abstandsmarkierungen in den Räumen der Fahrschule. 

Jede zweite Fahrschule auch nach dem Lockdown in wirtschaftlichen Schwierigkeiten 

Neben den 30 Prozent der Befragten, bei denen die staatlichen Hilfen nicht ausreichen werden, um die Krise zu überstehen, gaben 45 Prozent der Befragten an, dass die Mittel nur teilweise helfen. Und nur 25 Prozent der Fahrschulen glauben, dass sie ihr Geschäft nach der Krise erhalten werden. Doch auch danach wird es für viele Fahrschulen laut MOVING Umfrage schwierig werden: Über die Hälfte rechnet mit wirtschaftlichen Problemen. Nur jede zehnte Fahrschule gab an, dass sie wahrscheinlich ohne Schwierigkeiten das Geschäft weiterführen wird. 

Unter diesem Link finden Sie die Auswertung zur zweiten Corona-Befragung der MOVING

Photo: Anastasiia Chepinska on Unsplash.

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